Die neue Sonderausstellung „Fleisch“ im Wien Museum öffnete am Weltvegetariertag ihre Türen. Sie beleuchtet die facettenreiche Geschichte des Fleischkonsums in Wien, der weit mehr umfasst als nur das Stillen des Hungerbedürfnisses. „Fleisch war immer mehr als nur ein Nahrungsmittel. Es ist bis heute ein Gradmesser von Identität, Status und gesellschaftlichem Wandel. Die Ausstellung erzählt die Kulturgeschichte Wiens aus einer für viele sicher ungewohnten Perspektive und verknüpft dabei Objekte aus ganz unterschiedlichen Kontexten miteinander“, erklärt Kurator Jakob Lehne.
Vom Mittelalter bis zur Moderne
Schon im Mittelalter war Wien ein zentraler Umschlagplatz für Rinderhandel, später prägten die Schlachthallen von St. Marx und unzählige Fleischhauereien die Stadt. Gleichzeitig spiegelten sich soziale Unterschiede beim Fleischkonsum wider, während die Stadt im 19. Jahrhundert eine frühe Hochburg des Tierschutzes und vegetarischer Bewegungen wurde. „Zum Thema Fleisch haben fast alle eine Meinung. Doch wahrscheinlich ist vielen nicht bewusst, wie sehr die Entwicklungen der Vergangenheit heutige Diskussionen prägen. Die Ausstellung lädt dazu ein, die Wiener Fleischgeschichte zu erkunden und damit vielleicht auch neue Perspektiven auf die Gegenwart zu gewinnen“, betont Kuratorin Sarah Pichlkastner.
Stall, Teller und darüber hinaus
Die Ausstellung verfolgt die Geschichte des Wiener Fleisches vom Stall bis zum Teller und darüber hinaus. Sie zeigt verschwundene Berufe, historische Gerichte, Werbung und Rollenbilder und verknüpft diese mit aktuellen Fragen rund um Tierhaltung, Klimawandel und Ernährung. Dabei bietet sie auch interaktive Perspektiven: Auf der Eröffnung sang der Männergesangsverein der Wiener Fleischer, während das Museumrestaurant trude zusätzliche fleischlose Angebote wie gebackene Wiener Austernpilze oder ein veganes Blunzngröstl serviert.
„Indem wir die Vergangenheit des Fleischkonsums in Wien verstehen, können wir auch Antworten auf die Zukunft finden: Wie wir essen wollen, wie wir mit Tieren umgehen – und welche Verantwortung wir für Umwelt und Gesundheit tragen. Eine wichtige Ausstellung für die Stadt und für unsere Gesellschaft“, sagt Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler.
Begleitend zur Ausstellung bietet das Wien Museum Stadterkundungen zu früheren Fleischproduktionsstätten, Tastführungen und Expertenrunden mit traditionellen Fleischherstellern und Ernährungsexperten. Die Publikation „40 dag Fleisch“ von Jakob Lehne und Sarah Pichlkastner verknüpft auf 144 Seiten die Geschichten von Objekten mit den Debatten der Gegenwart. Die Ausstellung ist von 2. Oktober 2025 bis 22. Februar 2026 zu den Öffnungszeiten des Wien Museums zu sehen.






