Schritt für Schritt

Wer den Benediktweg in Latium geht, entdeckt nicht nur eindrucksvolle Klöster und Landschaften, sondern auch eine Region, die bewusst auf sanften Tourismus, authentische Kulinarik und neue Reisewege setzt.

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Es gibt Reisen, bei denen nicht das Ziel im Mittelpunkt steht, sondern der Weg dorthin. Genau dieses Gefühl begleitet uns Ende Mai auf mehreren Etappen des Benediktwegs – von Castel di Tora über Subiaco sowie von Collepardo und Casamari bis nach Montecassino. Schon nach den ersten Kilometern wird klar: Hier geht es nicht nur um Spiritualität oder Geschichte, sondern um eine neue Art des Reisens.

Der Benediktweg ist Teil des Projekts „Antichi Cammini d’Italia“, das von der Europäischen Union und dem italienischen Tourismusministerium gefördert wird. Ziel ist es, Besucher bewusst in weniger bekannte Regionen zu lenken, die Saison zu verlängern und den Druck auf die klassischen Tourismusmagnete Italiens zu verringern. Statt Menschenmassen erwarten den Besucher stille Berglandschaften, historische Dörfer und Begegnungen mit Einheimischen, die ihre Heimat mit großer Leidenschaft präsentieren.

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Langsam erleben

Der rund 300 Kilometer lange Benediktweg verbindet die wichtigsten Wirkungsstätten des heiligen Benedikt und führt durch das Herz Latiums. Wer hier unterwegs ist, entdeckt Italien in seinem ursprünglichen Rhythmus. Kleine Dörfer wechseln sich mit dichten Wäldern, Olivenhainen, Weidelandschaften und spektakulären Ausblicken auf die Apenninen ab.

Gerade das langsame Reisen macht den Reiz aus. Ohne Zeitdruck bleibt Raum für Gespräche mit den Menschen entlang des Weges, für spontane Stopps auf kleinen Dorfplätzen oder einen Espresso in einer Bar, in der sich morgens noch das ganze Dorf trifft. Man erlebt Italien nicht als Tourist, sondern als Gast.

Das Konzept dahinter nennt sich Slow Travel – und genau dieses entschleunigte Reisen wird entlang der historischen Pilgerwege gezielt gefördert. Moderne digitale Informationssysteme, neue Beschilderungen, Themenrouten und sogar kostenlose Shuttleverbindungen erleichtern den Zugang zu den einzelnen Etappen und machen die Region auch für Tagesgäste attraktiv.

Zwischen Seen und Klöstern

Bereits der Ausgangspunkt unserer Reise begeistert. Castel di Tora, das zu den schönsten Dörfern Italiens zählt, schmiegt sich an die Ufer des türkisblauen Lago del Turano. Die engen Gassen, steinernen Häuser und kleinen Plätze vermitteln sofort das Gefühl, in einem Italien angekommen zu sein, das vielerorts längst verschwunden ist. Hier scheint die Zeit etwas langsamer zu vergehen.

Von dort führt der Weg weiter nach Subiaco. Zu den eindrucksvollsten Stationen zählt das spektakulär an den Felsen gebaute Kloster Sacro Speco. Hier lebte Benedikt mehrere Jahre als Einsiedler, bevor sich aus seiner Lebensweise der Benediktinerorden entwickelte. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die Abtei Santa Scolastica, deren Bibliothek und Geschichte zu den bedeutendsten Kulturstätten Italiens zählen.

Ebenso beeindruckend präsentiert sich die zisterziensische Abtei von Casamari. Ihre schlichte romanisch-gotische Architektur strahlt eine Ruhe aus, die perfekt zum Charakter des Benediktwegs passt. Den emotionalen Höhepunkt bildet schließlich die Wanderung von Villa Santa Lucia hinauf zur weltberühmten Abtei von Montecassino. Schritt für Schritt öffnet sich der Blick über das Tal, bis das monumentale Kloster majestätisch über der Landschaft erscheint – ein Moment, der lange in Erinnerung bleibt.

Ehrliche Küche

Mindestens ebenso spannend wie die Kultur ist die Kulinarik entlang des Benediktwegs. Wer hier reist, sucht keine Sterne-Restaurants, sondern authentische Küche. Gerade abseits der bekannten Tourismuszentren werden traditionelle Gerichte gepflegt, die seit Generationen auf den Tisch kommen.

Bohneneintopf, knusprig panierte Polenta oder Kutteln in unterschiedlichsten Variationen gehören ebenso dazu wie hausgemachte Pasta, Pecorino, luftgetrocknete Salumi und regionales Olivenöl. Die Zutaten stammen meist aus der unmittelbaren Umgebung, gekocht wird saisonal und oft nach alten Familienrezepten. Viele kleine Osterien und Trattorien verzichten bewusst auf aufwendige Inszenierungen – hier überzeugt der Geschmack.

Für Gastronomen ist genau diese Authentizität besonders interessant. Sie zeigt, dass regionale Identität und kulinarische Tradition auch heute ein entscheidender Erfolgsfaktor im Tourismus sein können.

Tourismus neu gedacht

Mit den „Antichi Cammini d’Italia“ verfolgt Italien ein zukunftsweisendes Konzept. Insgesamt fünf historische Pilgerwege – darunter der Benediktweg, die Via Francigena und der Franziskusweg – werden touristisch miteinander vernetzt. Ergänzt wird das Angebot durch digitale Services, mehr als tausend ausgewiesene Sehenswürdigkeiten entlang der Routen sowie Themenwege für Kultur-, Natur- und Genussinteressierte.

Davon profitieren vor allem kleinere Gemeinden, familiengeführte Hotels, Agriturismi, Produzenten und Gastronomen. Besucher bleiben länger, entdecken neue Regionen und verteilen sich über das gesamte Jahr. Für die Betriebe entstehen zusätzliche Wertschöpfung und neue Gästeschichten, ohne dass die Orte ihren ursprünglichen Charakter verlieren.

Der Benediktweg zeigt eindrucksvoll, dass nachhaltiger Tourismus weit mehr sein kann als ein Schlagwort. Wer sich auf den Weg macht, entdeckt nicht nur historische Klöster und eindrucksvolle Landschaften, sondern vor allem ein ursprüngliches Italien, das seine größte Stärke in seiner Authentizität, seiner Gastfreundschaft und seiner unverfälschten Küche findet.

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