Auch der Sommer 2026 bringt neben „oiden Hadern“ Vielfältigkeit in die Gläser Österreichs. Neben Gin Basil Smash, findet man den Fog Cutter oder auch Cringe Coacktails. Doch beginnen wir mal ganz von vorne.
Spritzig muss es sein …
Und das gelingt nicht einfach irgendwie! Drei wichtige Komponenten machen einen Spritz erst nennenswert: einerseits ist es die geschmacksgebende Basis, wie klassische Spirituosen, oder typisch österreichische Liköre und Edelbrände aus Marille, Williams Birne oder Zirbe, die einem Drink das erste Geschmacksprofil verleihen. Weiters ist eine prickelnde Zutat, wie schon der Name „Spritz“ verrät, nicht wegzudenken. Prosecco oder Sekt tragen den Geschmack gekonnt und unterstützen das Aroma. Auf drei Teile Spirituose und zwei Teile prickelige „Kugerl“ folgt zu guter Letzt noch ein Teil Soda, um das Spritz-Erlebnis sanft abzurunden.
Aber nicht zu süß!
Denn im heurigen Sommer dreht sich alles um Bitter und Zitrusaromen. Wenig Zucker, ausgewogene Bitterkeit und zitronige Komponenten wie Bergamotte oder Clementine, die mitunter fermentiert oder geräuchert sind, definieren das Geschmacksprofil 2026. So ist es nicht verwunderlich, dass Tonic, Ginger Ale oder Ginger Beer stark im Trend liegen. Abgerundet wird mit Limette, Honig, Holler oder auch Kombucha.
Neben Dauerstartern auf der Barkarte, wie italienische Liköre, kristallisiert sich eine Bandbreite an Alternativen heraus. Wermut und Verjus sind leichte Basis für sommerliche Drinks.
Was kommt „on Top“?
Denn auch die Garnitur spielt mit. Die klassische Zitronenscheibe wird von frischen regionalen Kräutern wie Thymian, Minze oder Rosmarin abgelöst. Auch Trockenobst oder Rote Beete Sprossen finden immer häufiger Platz als Krönung eines Cocktails. Neben dem optischen Spektakel, unterstützen Schäume und Espumas dezent das Aroma der Drinks. Ein No-Go hinsichtlich der Nachhaltigkeit stellt hingegen das oft auf Longdrinks zitierte Papierschirmchen dar. Auch auf Plastikstrohhalme wird verzichtet. Das Credo: Weniger ist mehr!
INTERVIEW

Herr Haneder, Sie als Cocktail Weltmeister und 10-facher österreichischer Staatsmeister im Showbarkeeping sind bestimmt immer auf der Jagd nach neuen Geschmäckern und Kombinationen … Was sind aktuelle Trends und Geschmacksrichtungen im Bereich Bitter/Spritz/ Cocktails/ Longdrinks?
Je wärmer es draußen wird, desto weniger Süße, Sahne, Kalorien und Alkohol braucht ein Drink. Dafür ist es ein Spiel mit Säure, Spritzigkeit und Bitterkeit. Vor allem Wermut eignet sich hier besonders, da er relativ wenig Volumenprozente hat. Der Trend geht klar zu Low ABV und Day Drinking, da bieten leichte All-Time-Klassiker wie der Mojito die perfekte Abkühlung. Man setzt heutzutage mehr auf Bitterliköre und Campari oder bedient sich an der großen Auswahl an Limos wie Grapefruit, Rhabarber-Himbeere oder Rhabarber- Hibiskus. Ich persönlich setze gerne auf eine Kombination aus einer alkoholfreien Spirituose, einem Likör und einer Limo oder Soda. So kann man Alkohol genießen und deutlich mehr trinken.
Welche Gläser kommen bei Ihnen zum Einsatz? Wie kann man da differenzieren, gibt es strenge Regeln?
Für gute zehn Jahre haben dickwandige Kristallgläser mit Bleikristall-Optik dominiert. Jetzt geht der Trend genau in die andere Richtung: die Gläser sind extrem dünnwandig und wirken fast mundgeblasen. Durch die Dünne kann man die Getränke besser wahrnehmen, denn die Lippen nehmen die Kälte besser auf, vor allem dann, wenn die Gläser vorgefroren waren. Ich persönlich verwende aber alles, was mir gut gefällt. Ich serviere Drinks in Asia Nudelboxen, Gläsern in Glühbirnenoptik, Billard-Kugeln oder Popcorn-Tüten. Eine einfache Methode, die schnell was hermacht, ist zum Beispiel, wenn man eine Marmelade, wie Marille, in ein Rex-Glas oder Einmachglas gibt, mit Limetten-, Zitronensaft oder Verjus abschmeckt, Eiswürfel dazugibt, ein paar Mal shaked und dann mit einem Geschmacksmineral aufgießt. Nur noch ein Rosmarin- oder Thymian-Zweig und schon hat man einen leckeren und ansprechenden Drink.
Was gibt es Neues im Bereich der Garnituren?
Das Zeitalter der Zitronen- oder Orangenscheibe ist vorbei, so viel kann man definitiv sagen. Dafür verwende ich gerne einen anderen Teil der Zitrusfrüchte. Ich reibe Zesten oder steche kleine Figuren, wie Sterne, aus ihnen aus. Oder ich befestige einen Zweig mit einer kleinen Wäschekluppe am Gläserrand. Das Credo: elegant muss es ein.
Was gilt es bei der Verwendung von Eiswürfeln zu beachten, wie wird ein Drink nicht zu wässrig, bleibt aber trotzdem gut kalt?
Wichtig ist, dass die Eiswürfel keine Löcher haben, denn mit denen schmelzen sie schneller. Ich verwende kristallklare Volleiswürfel oder 5x5cm Crushed Ice. Generell gilt: je mehr Eis, desto weniger schnell schmilzt es. Ein kleiner Tipp: Die Qualität von Eiswürfel kann man selbst sehr leicht verbessern, indem man das gekaufte Eis erneut einfriert. Das Double- Frosted Ice ist dann ein sehr gutes, hartes Eis.
Welchen Drink würden Sie als DEN Sommer- Drink 2026 küren?
Definitiv den klassischen Americano! Negroni mit Gin, rotem Wermut und Campari liegt im Trend, ist jedoch für die Sommermonate zu schwer. Der Americano ersetzt den Gin durch einen Splash Soda und verleiht dem ganzen sommerliche Leichtigkeit.







