Der Uhudler-Effekt

Werbung
Werbung

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Glas Uhudler. Dieser Duft nach Walderdbeeren, Ribiseln und Traubensaft hatte mit dem Bild von Wein, das ich damals im Kopf hatte, herzlich wenig zu tun. Kein schlanker Veltliner, kein tiefgründiger Blaufränkisch, stattdessen etwas Wildes, Lautes, Eigenwilliges. Ein Wein, der sich nicht erklären wollte. Er duftet nicht nach großer Weinwelt, sondern nach Südburgenland, Buschenschank und Sommerabenden unter der Weinlaube. Man muss ihn nicht analysieren, man erkennt ihn ohnehin sofort. Und genau deshalb sollte man ihn zumindest einmal probieren. Nicht, weil er jedem schmecken muss, sondern weil es kaum einen österreichischen Wein gibt, der so viel Persönlichkeit im Glas hat. Der Uhudler will nicht gefallen wie ein geschniegelt polierter Premiumwein. Er will auffallen, diskutiert werden, vielleicht sogar anecken. Lange Zeit hatte der Uhudler keinen einfachen Stand.

Verboten, belächelt, als „einfacher Bauernwein“ abgestempelt – seine Geschichte ist fast spannender als so manche Verkostungsnotiz. Und trotzdem hat er überlebt. Vielleicht gerade deshalb, weil er nie versucht hat, jemand anderer zu sein. Heute beobachte ich mit Interesse, wie junge Winzer und Gastronomen den Uhudler neu entdecken. Plötzlich steht er gekühlt in modernen Weinbars, wird zu regionaler Küche serviert und mit erstaunlichem Selbstbewusstsein präsentiert. Und vielleicht zeigt genau das, wohin sich Wein gerade entwickelt: weg von makelloser Austauschbarkeit, hin zu Herkunft, Charakter und Ecken.

Katrin Hammer (Sommelière) beschäftigt sich mit Wein & Kulinarik. Im Fokus: Regionale Produkte und Produzenten.
Katrin Hammer (Sommelière) beschäftigt sich mit Wein & Kulinarik. Im Fokus: Regionale Produkte und Produzenten.
Werbung
GASTRO Links
Werbung
GASTRO-NEWSLETTER / GASTRO online ABO (gratis)

Um über die neuesten Nachrichten, Angebote und Sonderankündigungen auf dem Laufenden zu bleiben.

Cover Storys