Herr Dr. Schick, Sie leiten seit knapp drei Monaten die Geschicke der Schick Hotels mit fünf Häusern und zwei Restaurants. War eigentlich schon immer klar, dass Sie in die Fußstapfen Ihres Vaters treten würden?
Dr. Alexander Schick: Ja, eigentlich schon. Ich bin schon als Kind in der Lobby des Hotels Stefanie herumgekrabbelt, das prägt.
Wie lange dauerte der Übergabeprozess und welcher Bereich war dabei die größte Herausforderung?
Der Prozess lief über zwei Jahre und wurde von einem externen Unternehmen begleitet. Uns war wichtig, dass neutrale Personen drüber schauen, um eine Struktur zu finden. Prodinger Tourismusberatung kam mit einer 20-seitigen Excel Liste an, die es abzuarbeiten galt. Schnell gemerkt habe ich, dass Theorie und Praxis zwei unterschiedliche Ebenen sind.
Eine große Herausforderung war mit Sicherheit, das Team mitzunehmen. So ein Generationswechsel wirft auch immer Fragen auf, und die langjährigen Mitarbeiter waren seit Jahren eine stabile Mitarbeiterführung gewohnt, jetzt kommt viel in Bewegung.
Was sehen Sie als eine Ihrer wichtigsten Aufgaben an?
Die Positionierung zu schärfen! Wir haben mit dem Hotel Stefanie, das mit 425 Jahren das älteste Hotel in Wien und ein Aushängeschild für Wiens Hotellerie ist, unser Flaggschiff. Und hier natürlich mit der Geschichte auch eine klare Positionierung. Ebenso gilt das für das Hotel Erzherzog Rainer, während die drei anderen noch etwas Schärfung bedürfen.
In Ihrer Kommunikation bedeutet das, Traditionshotels und moderne Hotellerie gleichermaßen zu vertreten, wie gelingt das?
Geschichte kommunizieren und präsentieren! Erzählen, wofür wir stehen. Ich möchte uns als Familienunternehmen noch mehr in den Vordergrund rücken, als Eigentümer präsent sein: Auf der Website, um zu zeigen, wer das Gesicht hinter der Gruppe ist, ein Bild in der Zimmermappe und der verstärkte Gästekontakt. Außerdem punkten wir mit Qualität! Wenn wir zum Beispiel sanieren, dann mit hoher Qualität, ebenso schauen wir beim Einkauf der Lebensmittel auf Qualitätsstandards. Wir kaufen vorrangig bei Hogast und schauen auch da, dass ein Familienunternehmen im Hintergrund steht.
Traditionsbetriebe wie die Schick Hotels, sind die Basis der Wiener Hotellerie, welche Verantwortung geht damit einher? Und was ist das Schöne daran?
Dass es keine Vorgaben gibt. Wenn ich zum Beispiel rosa Zimmer haben möchte, wobei diese nur als Metapher zu verstehen sind, dann mache ich rosa Zimmer. Ich muss mich nicht rechtfertigen. Was bei einer Hotelkette anders wäre. Verantwortung ist aber sicher auch, die Tradition im Sinne der Gründer weiterzuführen!
Sie sagten auch einmal, „wir denken langfristig und in Generationen“, was bedeutet das genau?
Nachhaltig zu wirtschaften und zu agieren! Zum Beispiel beim Zimmerumbau, dass er vernünftig und langfristig ist, um ein gesundes Unternehmen übergeben zu können.
Apropos Zimmer: Sind alle Zimmer im Hotel Stefanie gleich?
Nein, sie wurden in Etappen gebaut und verfügen über eine unterschiedliche Modernisierung. Mir war der Gap zwischen dem ältesten und dem neusten Zimmer zu groß. Diesen versuchen wir nun zu schließen. Alle Zimmer im Hotel Stefanie eint die Tatsache, dass in jedem Zimmer eine Antiquität zu finden ist.
Oft sind es Stücke, die wir im Dorotheum finden. Herr Doktor Schick, Sie verantworten nicht nur die Geschicke der Gruppe mit 170 Mitarbeitern, sondern sind auch General Manager des Hotels Stefanie. Wofür schlägt Ihr Herz?
Für beides! Aber mit dem Hotel Stefanie verbindet mich trotzdem nochmal etwas Besonderes, weil ich hier groß geworden bin. Betriebswirtschaftlich mache ich da allerdings keinerlei Unterschiede.
Die Schick Hotels agieren erfolgreich, zugleich werden die Herausforderungen immer größer und die Kostenspirale scheint sich immer schneller zu drehen. Wie sieht hier Ihre Strategie aus?
Wir sind nicht profitabler unterwegs, als 2019. Und da wir sehr dienstleisungsintensiv sind, haben wir viele Mitarbeiter, unser größtes Potenzial. Insgesamt sind es 170 und davon sind allein 60 im Hotel Stefanie beschäftigt. Die kollektivvertraglichen Lohnerhöhungen der letzten Jahren schlagen hier aber auch zu Buche. Generell ist die Hotellerie ja eine Querschnittsmaterie – Kostenerhöhungen sind auch deutlich in den Bereichen Wareneinsatz oder Energie zu spüren.
Wie kann man Kosten reduzieren oder Umsätze erhöhen?
Um ein Beispiel zu geben: Sehen wir uns die Auslastung unserer Bar an, stellt sich die Frage: Öffnen wir erst um 17 Uhr und können so die freiwerdenden Mitarbeiterressourcen anders einsetzen, bzw. die Mitarbeiter erst später kommen lassen, oder installiere ich ein zusätzliches Produkt, wie den Afternoon Tea. Ich bin ja ein Freund von erweiterten Angeboten!
Was werden Sie künftig beibehalten, was werden Sie ganz anders machen?
Digitalisierung wird ein Thema sein. Der erste Schritt war die Modernisierung des Backoffices. Als ich übernommen habe, wurden zum Beispiel die Buchungen noch alle händisch eingegeben, das wurde jetzt digitalisiert und spart Ressourcen!
Es spart Ressourcen, aber auch Mitarbeiter! Wie haben diese darauf reagiert und wie sind Sie damit umgegangen?
Natürlich gab es im Vorfeld des Übernahmeprozesses viele Anfragen und auch Bedenken. Wir haben aber ganz zu Beginn einen zweitägigen Workshop mit den Mitarbeitern eingerichtet, wo Strategien präsentiert und Fragen beantwortet wurden. Durch frei gewordene Ressourcen wird versucht, das Gästeerlebnis weiter zu steigern.
Und was bleibt?‘
Die Tradition!
Die Digitalisierung schreitet unaufhaltsam voran, wie geht ein Traditionsbetrieb, wie die Schick Hotels, damit um?
Wir setzen moderne Techniken vorrangig dort ein, wo der Gast sie nicht sieht. Das betrifft vor allem die KI, sie fließt zum Beispiel in das Bewertungsmanagement ein. Der persönliche Kontakt wird aber bleiben!
Grundsätzlich soll der Gast aber langfristig beide Optionen haben: Die digitale Journey vom Check-In bis zum Check-Out, wie das jetzt schon im Hotel Capricorno der Fall ist. Aber auch das analoge Angebot der persönlichen Ansprache an der Rezeption soll bleiben.
Noch ein Wort zum Songcontest im nächsten Jahr: Wird es für Häuser, wie das Hotel Stefanie, ein Plus sein, oder eher Stammgäste und die klassischen Städtebesucher von einer Buchung abhalten?
Das ist im Moment schwer zu sagen, weil es noch zu früh ist. Wir reagieren auf jeden Fall mit fixen Raten und Stornokosten in dieser Zeit. Auch wird es eine Mindestaufenthaltsdauer von Donnerstag bis Sonntag geben.
Ein letzte Frage zum Schluss: Wenn Sie die Philosophie der Schick Hotels mit einem Wort beschreiben müssten, wie würde das lauten?
„Authentisch!
Bei allen Betrieben der Schick Gruppe – in der Hotellerie tätig seit 1888 – ist die Familie Schick Eigentümer und Betreiber gleichermaßen. Dazu gehören fünf Viersterne-Hotels – Hotel Stefanie, Hotel Erzherzog Rainer, Hotel Am Parkring, Hotel Capricorno und Hotel City Central – und zwei Gastrobetriebe. Das Restaurant Stefanie mit klassischer österreichischer Küche und dem Highlight der „Altwiener Schmankerlreise“, wo in sieben Gängen die Wiener Küche abgebildet wird (mit Schnitzerl, Tafelspitz und Kaiserschmarren) sowie die Wiener Wirtschaft beim Hotel Erzherzog Rainer. In der Wiener Wirtschaft wird typische authentische Wiener Küche in gemütlichem Rahmen serviert.
Der Gewinn wird zu einem großen Teil wieder in die Betriebe reinvestiert, in den letzten fünf Jahren waren das acht Millionen Euro, die in den Bestand flossen. Dr. Alexander Schick ist auch nicht abgeneigt, in Bestandsbetriebe im Raum Wien zu investieren, wenn sich etwas ergibt.














