Seit der Einführung des Einwegpfandsystems am 1. Jänner 2025 hat sich in der österreichischen Abfallwirtschaft eine grundlegende Veränderung vollzogen. Eine aktuelle Bilanz der Hochschule Campus Wien zeigt erste Erfolge, aber auch die Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft auf. Für die Gastronomie und Hotellerie, wo täglich eine große Menge an PET-Flaschen und Dosen anfällt, sind diese Entwicklungen von hoher betriebswirtschaftlicher und operativer Relevanz.
Positive Bilanz beim PET-Recycling, aber Nachholbedarf im Gesamtsystem
Experten ziehen nach einem Jahr eine überwiegend positive Bilanz für das PET-Pfandsystem. Mit einer aktuellen Recyclingquote von 70 bis 80 Prozent für PET-Flaschen ist die Zielvorgabe von 90 Prozent bis 2027 in greifbarer Nähe. Das Pfand hat sich als effektiver Hebel erwiesen, um wertvolle Ressourcen gezielt zurückzuführen und ein hochwertiges „Bottle-to-Bottle“-Recycling zu ermöglichen.
Weniger positiv sieht die Bilanz für das allgemeine Kunststoff-Recycling aus (z. B. aus dem Gelben Sack) aus. Hier liegt die Recyclingquote mit geschätzten 35 Prozent deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 42 Prozent und weit entfernt von der EU-Zielvorgabe von 50 Prozent für 2025.
Technische Herausforderungen: Nicht jeder Kunststoff ist gleich
Die Analyse verdeutlicht die technischen Unterschiede im Recyclingprozess. PET-Flaschen bestehen aus Polyethylenterephthalat, einem Kunststoff, der sich hervorragend für mehrfaches Recycling eignet. Studien zeigen, dass bei einem Mischverhältnis von 75 Prozent Recycling-PET und 25 Prozent neuem Material über elf Recycling-Zyklen möglich sind, ohne signifikante Qualitätseinbußen.
Andere Kunststoffe, wie sie etwa für Joghurtbecher (Polypropylen) oder Waschmittelflaschen (HDPE) verwendet werden, sind schwieriger zu recyceln. Bei diesen Materialien kommt es oft zu einem „Downcycling“, bei dem die Materialqualität abnimmt und sie nur noch für minderwertigere Produkte wie Blumentöpfe verwendet werden können.
Mögliche Ausweitung des Pfandsystems als Chance und Herausforderung
Aufgrund der positiven Erfahrungen mit dem PET-Pfandsystem wird eine Ausweitung auf andere Verpackungen diskutiert. Denkbar wären Milchprodukte oder große Kunststoffhohlkörper wie Waschmittelflaschen. Für die Gastronomie und Hotellerie ist dieser Ausblick von besonderer Bedeutung, da er die internen Abläufe in Küche und Service weiter verändern würde.
Eine solche Erweiterung würde jedoch auch neue Herausforderungen mit sich bringen. Höhere Anforderungen an Hygiene, Reinigung, Sortiergenauigkeit und die Rücknahmelogistik müssten bewältigt werden. Nur wenn die ökologische Wirkung, die technische Machbarkeit und die wirtschaftliche Tragfähigkeit im Einklang stehen, kann eine Erweiterung des Pfandsystems sinnvoll umgesetzt werden.
Für Gastronomiebetriebe bedeutet die Entwicklung hin zu einer umfassenderen Kreislaufwirtschaft, dass die Abfalltrennung und -rückführung zu einem noch wichtigeren Teil des operativen Managements wird. Die effiziente Handhabung des Pfandsystems kann nicht nur zur Ressourcenschonung beitragen, sondern auch das Nachhaltigkeitsprofil eines Betriebs in der Wahrnehmung der Gäste stärken.







