Der Streit um den Emmentaler eskaliert. Nachdem die Schweiz versucht, die Käsesorte als geschützte Ursprungsbezeichnung exklusiv für sich zu beanspruchen, hat sich breiter europäischer Widerstand formiert. Österreich ist diesem nun offiziell beigetreten und kämpft vor dem Europäischen Gericht (EuG) an der Seite von Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Für die heimische Gastronomie und Hotellerie geht es dabei um weit mehr als nur um einen Namen – es geht um die Speisekarte, den Wareneinsatz und die Rechtssicherheit.
Der Kern des Konflikts: Herkunft oder Sorte?
Die Schweiz will durchsetzen, dass nur noch Käse aus der Schweiz als „Emmentaler“ bezeichnet werden darf. Die EU-Kommission hatte dies bereits abgelehnt, woraufhin die Schweiz Klage beim EuG einreichte. Die Gegenposition, die auch Österreich vertritt, ist klar: Emmentaler sei seit Jahrzehnten ein Begriff für eine Käsesorte, nicht für eine geografische Herkunft – ähnlich wie Gouda oder Camembert.
Die Bedeutung für die heimische Gastronomie und Hotellerie
- Speisekartendeklaration: Gerichte wie „Käsespätzle mit Emmentaler“, „Emmentaler-Käseplatte“ oder ein einfaches „Käsebrot“ dürften nicht mehr so genannt werden, wenn der verwendete Käse aus österreichischer Produktion stammt. Dies würde eine massive Umstellung und Anpassung unzähliger Speisekarten erfordern.
- Wareneinsatz und Preis: Eine exklusive Herkunftsbezeichnung könnte zu einer Verknappung und damit zu einem deutlichen Preisanstieg beim „echten“ Schweizer Emmentaler führen. Dies würde den Wareneinsatz für viele Betriebe verteuern.
- Verlust eines regionalen Produkts: Österreich produziert seit 90 Jahren Emmentaler, zuletzt bis zu 14.000 Tonnen pro Jahr. Der Käse ist ein wichtiger Bestandteil der heimischen Milchwirtschaft und ein fest verankertes regionales Produkt in den Lieferketten der Gastronomie.
Österreichs Argument: Tradition und Wirtschaftsfaktor
Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig betont, es gehe um die Rechtssicherheit für die heimischen Hersteller. „Der Emmentaler ist kein exklusives Schweizer Kulturgut, sondern ein fester Bestandteil der europäischen und insbesondere der österreichischen kulinarischen Tradition.“
Die heimische Gastronomie hat ein vitales Interesse daran, dass der Emmentaler weiterhin als Sortenbezeichnung verstanden wird. Nur so kann die Vielfalt im Einkauf erhalten, die Preisstabilität gesichert und die Rechtssicherheit auf der Speisekarte gewährleistet werden. Die kommenden Monate, in denen die Stellungnahmen beim Europäischen Gericht eingebracht werden, sind daher für die gesamte Branche von entscheidender Bedeutung.







