Anlässlich des Equal Care Day, der in diesem Jahr am 1. März stattfindet, fordert der Österreichische Städtebund eine 50:50-Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Partnerschaften. Eine Zeitverwendungsstudie der Statistik Austria aus dem Jahr 2023 zeigt, dass Frauen täglich zwei Stunden mehr unbezahlte Arbeit leisten als Männer. Dies hat weitreichende Folgen für die wirtschaftliche Unabhängigkeit und Altersvorsorge von Frauen.
Ungleichheit in der Care-Arbeit
In Familien mit Kindern verbringen Frauen doppelt so viel Zeit mit der Kinderbetreuung wie Männer. Ob Kindergeburtstage, Pflege von Angehörigen, Wäsche waschen oder Geschirrspüler ausräumen – Frauen tragen die Hauptlast dieser Tätigkeiten und der damit verbundenen Denkarbeit (Mental Load). Männer sehen sich oft nicht verantwortlich oder beteiligen sich bestenfalls als „Zuarbeiter auf Zuruf“, ohne dabei ihre finanzielle Absicherung aufzugeben. Die Geburt eines Kindes geht für Frauen oft mit finanzieller Abhängigkeit einher.
Städtebund-Generalsekretär Thomas Weninger, selbst Karenzvater, betont: „Wir brauchen eine 50:50 Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Partnerschaften, wir brauchen ökonomisch unabhängige Frauen mit einer gesunden Work-Life-Balance. Auch unbezahlte Arbeit ist Arbeit; sie wird nur nicht bezahlt.“
Wirtschaftliche Gleichberechtigung und Altersarmut
Vizebürgermeisterin und Städtebund-Frauenausschuss-Vorsitzende Kathrin Gaál hebt hervor, dass die Übernahme eines Großteils der Care-Arbeit Frauen einen Startnachteil verschafft. Sie fordert die wirtschaftliche Gleichberechtigung der Frauen und eine gerechte Aufteilung der Care-Arbeit, um finanzielle Unabhängigkeit und eine ausreichende Absicherung im Alter zu gewährleisten. Derzeit bekommen Frauen immer noch knapp unter 40 Prozent weniger Pension, was verstärkt zu Altersarmut führt.
Städte und Sozialversicherungssystem gefordert
Weninger verweist darauf, dass Städte und Gemeinden gefordert sind, ausreichend Kindergarten- und Pflegeplätze zur Verfügung zu stellen. Die Öffnungszeiten von Kindergärten müssen so gestaltet sein, dass für beide Partner ein eigenständiges Einkommen möglich ist und die Work-Life-Balance stimmt.
Das österreichische Sozialversicherungssystem orientiert sich immer noch am Vollzeit arbeitenden Mann. Frauen arbeiten jedoch oft Teilzeit und erhalten aus diesem Grund später weniger Pension. Der Städtebund-AK-Gleichstellungsindex zeigt, dass die Teilzeitquoten von Männern und Frauen um 45,8 Prozent voneinander abweichen.
Aktionen zum Equal Care Day
Einige Mitgliedsstädte des Österreichischen Städtebundes veranstalten Aktionen vor Ort, um auf unbezahlte Arbeit und Mental Load aufmerksam zu machen. In St. Pölten werden Schwammtücher mit der Aufschrift „50 Prozent der unbezahlten Arbeit an die Männer“ an alle Mitarbeiter im Rathaus verteilt. Auch in Bregenz und Klagenfurt gibt es ähnliche Aktionen. In Wels findet ein Schwerpunktvormittag zu unbezahlter Arbeit statt.









