Schneesicherheit wird vielerorts zur Ausnahme, Energiepreise bleiben volatil, und das Reiseverhalten verändert sich spürbar. Der Wintertourismus steht an einem Scheideweg, an dem Nachhaltigkeit und Innovation existenzielle Faktoren sind. Beim Round Table des European Climate Pact im Boutiquehotel Stadthalle versammelten sich Experten aus Tourismus, Wirtschaft, Wissenschaft und Klimaschutz, um Wege zu diskutieren, wie Österreich seine Position als Vorreiter in Europa ausbauen kann. Im Fokus stand die Erkenntnis, dass neue Mobilitätslösungen, Digitalisierung und kluge Produktentwicklung Hand in Hand mit regionaler Wertschöpfung gehen müssen.
Governance für den Tourismus
Karl Wöber, Rektor der Modul University Vienna, betonte, dass der Tourismus rund 8,5 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verursacht, davon fast drei Viertel durch Verkehr. „Die Art des Reisens wird sich verändern, aber das Reisen wird weiterhin zunehmen. Der Tourismus braucht daher eine kluge Steuerung, lokal wie global. Eine kontinuierliche Beobachtung der wichtigsten Trends ist unerlässlich“, so Wöber. Effizienzgewinne durch Technologie reichen nicht aus, um das starke Nachfragewachstum auszugleichen. Gleichzeitig verändern Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Workations, die Generation Z und die alternde Bevölkerung das touristische Geschehen grundlegend.
Neuer Tourismus: Qualität statt Masse
Balázs Kovács, EU Climate Pact Ambassador, spricht vom „Neuen Tourismus“, der Begegnung, Sinn und Qualität über das bloße Abhaken von Sehenswürdigkeiten stellt. Nachhaltiger Tourismus bedeute mehr Tiefe und stärkere lokale Wertschöpfung bei kleinerem ökologischen Fußabdruck. „Neuer Tourismus bedeutet nicht, Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern Begegnungen mit Menschen in der Region zu ermöglichen. Ein kleinerer ökologischer Fußabdruck kann zu mehr Qualität, Tiefe und Gerechtigkeit führen“, so Kovács. Solche Ansätze stärken die Resilienz von Destinationen und fördern faire Wertschöpfung.
Ganzjahrestourismus statt Saisongeschäft
Für Simion Giurca, Generalsekretär des Corps Touristique Austria, ist klar, dass nicht allein der Klimawandel das Reisen verändert, sondern die Entscheidungen der Gäste. Der Wintertourismus entwickelt sich zum Gesundheits-, Natur- und Ganzjahresprodukt. Nachhaltigkeit werde nur dann wirksam, wenn sie attraktiv, leistbar und erlebbar sei. Michaela Reitterer, Gründerin der Boutiquehotels Stadthalle, ergänzt: „Nachhaltigkeit bedeutet nicht immer grün zu sein, sondern vorausschauend zu handeln und viele Dimensionen abzudecken.“ Das umfasst Unternehmensführung, Willkommenskultur und Versorgung der Gäste gleichermaßen.
Authentische Erlebnisse und regionale Wertschöpfung
Benjamin Mayer, Vorstand von Austria Guides for Future, betont die wachsende Nachfrage nach bewussten, hochwertigen Reisen. Authentisches Reisen findet dort statt, wo Gäste die Regionen so erleben, wie die Menschen vor Ort. Marco Riederer, Präsident des Travel Industry Club Tourismus, verweist auf den strukturellen Wandel im alpinen Raum: Höher gelegene, diversifizierte Destinationen mit Sommerangeboten verzeichnen überdurchschnittliche Nachfrage, während Energie- und Personalkosten die Betriebe belasten. Klimafreundliche Mobilität wird dabei zur zentralen Herausforderung und Visitenkarte der Destinationen.
Der Round Table macht deutlich, dass nachhaltiger Wintertourismus bereits Realität ist. Qualität, Governance, regionale Wertschöpfung und glaubwürdige Transformation entscheiden über den Erfolg der Branche. Österreich könnte als Vorbild für ganz Europa dienen, indem Klimaschutz, Innovation und Ganzjahrestourismus Hand in Hand gehen.








