„Ich würde gern mit dem Chef sprechen“ – ein Satz, den weibliche Führungskräfte in der Gastronomie immer noch oft hören. Viele kommen nämlich gar nicht auf die Idee, dass die Frau vor ihnen die Chefin sein könnte. Gastgeberin? Ja. Köchin? Ja. Aber Chefin …?
Dabei gibt es sie doch längst, die Frauen an der Gastro-Spitze. Sie leiten Küchen, Teams, ganze Betriebe. Sie planen, machen und führen. Oft tun sie all das, ohne dass es jemand wahrnimmt – etwa in zweiter Reihe, hinter einem Mann. Oder sie werden erst dann wahrgenommen, wenn sie sich mehrfach bewiesen haben. Genau das ist der Unterschied: Wir Frauen kommen in einen männerdominierten Raum und müssen erstmal unsere Kompetenz behaupten. Damit sich das ändert, braucht es zwei Dinge: Erstens den Mut von Frauen, sich den Raum zu nehmen, den ihre Kompetenz verlangt. Und zweitens ein gesellschaftliches Umdenken: hin zur Selbstverständlichkeit, dass Frauen jede berufliche Position ausfüllen können – auch und gerade die der Chefin.
Dabei frage ich mich: Denken wir bei „Chef“ zuerst an einen Mann? Wenn ja, warum? Weil wir es so gelernt und immer wieder gesehen haben? Weil uns beigebracht wurde, dass Autorität tief klingt und hart durchgreift? Das gilt es zu hinterfragen – auch dann, wenn wir selbst ein Restaurant betreten. Denn warum sollten wir dort nicht genauso selbstverständlich einer Chefin begegnen wie einem Chef? Führung kann nämlich auch weiblicher klingen – mit anderer Tonalität und Herangehensweise. Indem wir unseren eigenen Blick öffnen, kann Veränderung beginnen. Für neue Bilder, andere Rollen und echte Vielfalt an der Spitze.






