Vor Kurzem verweilte ich mittags in einem Landgasthof. Am Tisch daneben saß ein Stammgast, der sich unaufhörlich über den Chef mockierte, weil dieser den Preis für ein Achterl Wein um gleich 10 Cent erhöht hatte. Der Verlauf des Gespräches war aus zweierlei Gründen für mich bemerkenswert; einerseits weil der Gast nachhaltig dreist argumentierte und andererseits, weil der Wirt sich das gefallen hat lassen.
Als ich in der gehobenen Gastronomie Nord Amerikas tätig war, haben wir dem Gast prinzipiell gar nie die durchaus übliche „Hat‘s geschmeckt“- Frage gestellt. Da bleibt rhetorisch mehr Platz für Empfehlungen und Zusatzverkäufe. Denn schließlich hat der Gast unser Lokal bewusst gewählt, wie ein Kunstkenner entscheidet, ob er die Ausstellung eines Künstlers besuchen und dort ein Werk kaufen möchte oder nicht. Ein wenig eigenartig, wenn der Künstler nach dem Verkauf fragen würde, ob‘s gefällt.
Wenn ein Gast das Lokal betritt, gehe ich davon aus, dass er das Angebot so wie gehabt akzeptiert! Kaum in einem anderen Wirtschaftszweig sind Entscheidungsträger nicht nur persönlich an vorderster Front, sondern auch medial so exponiert wie in der Gastronomie. Niemanden interessiert, um wieviel Prozent die Personal- und Betriebskosten zuletzt gestiegen sind - Hauptsache „das Schnitzel“ ist billig. Deshalb ist „dicke Haut“ von Vorteil! Oder habt ihr schon einmal in der Tageszeitung gelesen, dass z. B. eine einzelne Tankstelle dafür bloßgestellt wird, wenn der Spritpreis dort innerhalb weniger Tage erheblich gestiegen ist?

Vorstandsmitglied F&B Manager Club AUSTRIA
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