Die Sommersaison 2026 sorgt in Österreichs Gastronomie und Hotellerie für eine vorsichtig positive Stimmung. Laut einer aktuellen Erhebung der Fachverbände zeigen sich 78 Prozent der Betriebe mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden. Auch der Blick auf den Herbst fällt insbesondere in der Hotellerie optimistisch aus: 65 Prozent der Hotelbetriebe bewerten ihre aktuelle Buchungslage positiv.
Für Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie, ist die Entwicklung ein wichtiges Signal. Die Betriebe würden trotz der wirtschaftlich herausfordernden Rahmenbedingungen attraktive Angebote schaffen und mit Qualität überzeugen.
Nachfrage stabil, Erträge unter Druck
Ganz ohne Wermutstropfen fällt die Zwischenbilanz allerdings nicht aus. Während sich die Nachfrage insgesamt stabil entwickelt, bleibt die wirtschaftliche Situation für viele Unternehmen angespannt.
Vor allem bei den Erträgen zeigt sich ein deutlich zurückhaltenderes Bild. Energie, Lebensmittel und Getränke sowie Steuern und Abgaben treiben die Kosten weiter nach oben. Nur rund ein Drittel der Betriebe kann diese Mehrkosten überwiegend an die Gäste weitergeben. Für mehr als die Hälfte der Unternehmen führen die gestiegenen Kosten daher zu spürbaren Ertragseinbußen.
Damit zeigt sich ein bekanntes Spannungsfeld: Die Gäste kommen, die Nachfrage ist vorhanden – gleichzeitig bleibt von den Umsätzen aufgrund der hohen Kosten weniger bei den Betrieben hängen.
Investitionen sichern regionale Wertschöpfung
Trotz des Kostendrucks wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Rund drei Viertel der Gastronomie- und Hotelleriebetriebe haben Investitionen getätigt.
Besonders relevant ist dabei die regionale Dimension. Der überwiegende Teil der Aufträge ging an Unternehmen aus der jeweiligen Region. Damit fließen Investitionen nicht nur in die Betriebe selbst, sondern stärken auch regionale Wirtschaftskreisläufe und Arbeitsplätze.
„Die Investitionsbereitschaft in der Branche war in den vergangenen Jahren hoch“, betont Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie. Gleichzeitig warnt er vor zunehmend engeren finanziellen Spielräumen.
Weniger Spielraum für neue Projekte
Rund ein Drittel der Betriebe kann derzeit nur noch unbedingt notwendige Investitionen umsetzen. Das könnte langfristig zum Problem werden, denn Investitionen in Ausstattung, Qualität und Infrastruktur sind ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Tourismusbetriebe.
Für die kommenden drei Jahre plant nur noch etwas mehr als die Hälfte der Unternehmen weitere Investitionen. Der überwiegende Teil davon soll zudem im Inland umgesetzt werden: Lediglich ein bis vier Prozent der geplanten Investitionen sollen aus dem Ausland bezogen werden.
Damit bleiben Gastronomie und Hotellerie wichtige Auftraggeber für österreichische Unternehmen.
Mitarbeiterbindung wird wichtiger
Positiv entwickelt sich auch der Umgang mit den Beschäftigten. 86 Prozent der Arbeitgeberbetriebe geben an, heute stärker als früher darauf zu achten, dass sich ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Unternehmen wohlfühlen.
Zusätzliche Leistungen spielen dabei eine wichtige Rolle. Fast drei Viertel der Betriebe bieten ihren Beschäftigten neben dem Gehalt kostenlose oder vergünstigte Verpflegung beziehungsweise Unterkunft an. Gerade in Gastronomie und Hotellerie sind diese Benefits ein wichtiger Bestandteil des Gesamtpakets.
Der Anteil der Stammmitarbeiter liegt im Branchenschnitt bei 61 Prozent.
Positive Nachfrage trifft auf Kostendruck
Die Zwischenbilanz der Fachverbände fällt damit zweigeteilt aus: Die Nachfrage stimmt und auch die Erwartungen für den Herbst sind insbesondere in der Hotellerie positiv. Gleichzeitig belasten hohe Kosten weiterhin die Ertragslage.
Für die Branche geht es daher zunehmend darum, trotz wirtschaftlichen Drucks die Qualität zu halten, Mitarbeiter zu binden und Investitionen in die Zukunft zu ermöglichen. Die aktuelle Sommersaison zeigt zumindest, dass die Nachfrage nach gastronomischen und touristischen Angeboten in Österreich weiterhin vorhanden ist.







