Wenn die bis zu acht Meter hohen Hopfenranken von den Gerüsten geholt werden, beginnt eine der arbeitsintensivsten Phasen des Bierjahres. Im Waldviertel werden im langjährigen Durchschnitt rund 20.000 Kilogramm Hopfen geerntet. Ein Großteil davon fließt in die Biere der Privatbrauerei Zwettl und der zu ihr gehörenden Bierwerkstatt Weitra.
Regionale Rohstoffe im Fokus
Die Privatbrauerei arbeitet seit Jahrzehnten eng mit Landwirten aus der Region zusammen und setzt damit de facto auf Vertragslandwirtschaft. Neben dem Hopfen stammt auch die Braugerste aus dem Waldviertel, das Wasser kommt aus eigenen Quellen.
Für Brauereiinhaber Karl Schwarz ist diese Nähe zu den Rohstoffen ein wesentlicher Teil der Produktqualität. Die Kooperation mit den Bauern soll zugleich Planungssicherheit auf beiden Seiten schaffen.
Wetter sorgt für kleinere Dolden
Die heurige Saison war für die Hopfenbauern anspruchsvoll. Zu wenig Niederschlag, Hagel und sehr hohe Temperaturen führten dazu, dass die Dolden kleiner als in durchschnittlichen Jahren ausfielen.
Für die spätere Bierqualität ist die Größe allerdings nicht entscheidend. Wesentlich ist das Lupulin im Inneren der Dolde, das für Bittere und Aroma verantwortlich ist. Laut Braumeister Heinz Wasner zeigen die ersten Qualitätswerte auch 2026 ein positives Bild.
Eine Dolde für ein Seidl
Nach der Ernte werden die Hopfenranken weiterverarbeitet. Eine Spezialmaschine trennt die Dolden von Blättern und Ranken, anschließend werden sie getrocknet und für die Verarbeitung vorbereitet.
Wie intensiv Hopfen geschmacklich wirkt, verdeutlicht Wasner mit einem einfachen Vergleich: Bereits rund eine Dolde reicht aus, um einem Seidl Bier seinen typischen bierigen Charakter zu geben.
Offene Gärung in Weitra
In der Bierwerkstatt Weitra trifft der regionale Rohstoff auf ein heute selten gewordenes Brauverfahren. Dort wird weiterhin mit offener Gärung gearbeitet. Das Bier vergärt dabei nicht in geschlossenen Tanks, sondern in offenen Gärbottichen.
Das Verfahren ist aufwendiger und erfordert mehr Erfahrung, ermöglicht dem Braumeister aber eine unmittelbare Kontrolle des Gärprozesses. Laut Karl Schwarz trägt diese Methode zur charakteristischen Milde der Weitraer Biere bei.
Dass Hopfen heute wieder zum Landschaftsbild des Waldviertels gehört, geht ebenfalls auf die Brauerfamilie Schwarz zurück. Nachdem die Kulturpflanze während des Ersten Weltkriegs weitgehend aus der Region verschwunden war, wurde ihr Anbau vor Jahrzehnten wieder forciert.











