Ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich in Workshops Dinge erzähle, die für mich völlig logisch sind. Und dann blicke ich in Gesichter, als hätte ich gerade behauptet, der Mond sei essbar. Wenn man sich täglich mit KI beschäftigt, lebt man irgendwann in einer Parallelwelt. Einer Welt, in der es normal ist, dass Maschinen Entscheidungen vorbereiten, Zusammenhänge erkennen und Prozesse steuern. Nur: Die Realität in den Betrieben sieht oft ganz anders aus. Sie ist geprägt von Improvisation, Bauchgefühl und der ständigen Hoffnung, dass irgendwie alles gut geht.
Und das wirft eine unangenehme Frage auf. Wie soll jemand, der gar nicht weiß, was er nicht weiß, erkennen, dass ihm gerade etwas entgeht?
Die Branche steckt in einem Dilemma. Zwischen Personalmangel, Gästedruck und wirtschaftlichem Überlebenskampf bleibt keine Zeit, sich mit sogenannter Zukunft zu beschäftigen. Also orientiert man sich am Bekannten. Aber was, wenn genau das der Fehler ist? Wenn das Festhalten am Gewohnten dazu führt, dass man blind wird für das, was möglich oder vielleicht sogar notwendig wäre?
Denn KI ist kein Tool, das man einfach irgendwann implementiert. Sie ist ein Spiegel. Sie zeigt dir schonungslos, wo du planlos bist, wo deine Abläufe auf Hoffnung beruhen, und wo du dich seit Jahren mit Workarounds über Wasser hältst. Und ja, das ist unangenehm. Aber es kann auch befreiend sein, weil es neue Wege aufzeigt.
Ich glaube nicht, dass KI unsere Branche übernimmt. Aber ich bin mir sicher, sie wird uns zeigen, wer bereit ist, sich neu zu erfinden. Und wer lieber wartet, bis es zu spät ist.
Die eigentliche Gefahr ist nicht die KI. Es ist das Nichtwissen. Und das kann richtig teuer werden.









