Was ist nun Nachhaltigkeit tatsächlich? In einem Satz zusammengefasst, bedeutet Nachhaltigkeit nicht mehr zu verbrauchen, als nachwachsen kann. Ressourcenschonung gehört genauso dazu. Dass wir dabei weltweit noch ordentlich Luft nach oben haben, ist unbestritten. Doch wesentlich sind die kleinen Schritte, die jeder selbst beitragen kann und die oft naheliegend sind, sofern man daran denkt.
Zurück zu alten Methoden
Retro ist in, Vintage beherrscht ganze Branchen! Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Sehr viel, denn das führt dazu, das alte Dinge und Praktiken wieder an Bedeutung gewinnen. Einmachgläser verdrängen Plastik-Fertiggerichte, es wird wieder mehr frisch gekocht und krummes Gemüse landet auf den Tischen. Das ist nicht nur nachhaltig, sondern vernünftig und vor allem hat das jeder selbst in der Hand. Gastronomen, die sich Produzenten aus dem Umfeld suchen, und ihnen verlässlich die Produkte abnehmen, handeln nicht nur nachhaltig, sondern auch regional. Inklusive Wertschöpfung, die im Lande bleibt.
Die Strukturen gehen ohnehin schon länger in diese Richtung, aber die Entwicklungen der letzten Jahre verleihen diesem Thema nochmals einen ordentlichen Schub. Auch die offenbar endlich in Gang kommende Herkunftsbezeichnung für die Gastronomie wird die Regionalität fördern. Der Gast fordert es, also bekommt er es.
Der Großhandel steigt fast überall nach und nach auf E-Fahrzeuge um, was einen Riesenunterschied macht und erweitert auch das Sortiment der regionalen Produkte. Alte Kochtechniken, wie Slow Food, gewinnen an Bedeutung und Omas Rezeptbuch wird immer öfter aus der Lade geholt, weil hier auch Resteverwertung ein großes Thema ist.
Diese Aufzählung ließe sich beliebig auf alle Branchen ausweiten, doch wir wollen uns auf unsere Kernkompetenzen beschränken.
Reisefrust statt Reiselust?
Diese sind neben der Gastronomie auch die Hotellerie und der Tourismus. Gerade letzterer profitiert von nachhaltigem Engagement ganz besonders. Denn intakte Böden und Landschaften inklusive Biodiversität sind nicht für die Bauern wichtig, sondern auch für die Touristiker. Gäste wollen „schöne“ Landschaften. Und gesunde dazu.
Touristiker sind gefordert, erhalten derzeit aber auch eine große Chance. Denn die geopolitische Situation schlägt eine tiefe Kerbe in die heurige Urlaubsplanung. „Balkonien“ und Autobzw. Bahnreisen im eigenen oder in den Nachbarländern stehen in diesem Sommer hoch im Kurs. Die Sorge, aufgrund aktueller Ereignisse bei Flugreisen nicht mehr zurückzukommen, prägt die Urlaubsentscheidung. Was bei manchen verständlichen Frust erzeugt, was die Einschränkungen betrifft, ist in Wahrheit aber auch eine Chance. Nämlich über Alternativen – vorrangig im eigenen Land – nachzudenken. Denn die Umwelt profitiert enorm von kürzeren, und im besten Fall, CO2-freien Anreisen. Der nachhaltige Urlaub könnte somit zum bleibenden Geschäftsmodell werden. Aber auch die Urlaubsvorstellungen selbst sind ein Spiegelbild der aktuellen Lage: Erholung, Auszeit, Stressabbau und Gesundheitsangebote dominieren die Pläne.
Bitte ökologisch
Was so gut wie alle Branchen betrifft, aber Gastronomie und Hotellerie besonders, sind Reinigungsmittel, weil es um große Mengen geht. Sind diese ökologisch, ist ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit getan. Und auch ziemlich einfach umzusetzen, denn das Angebot entsprechender Produkte wird immer größer.
Nachhaltigkeit mit staatlicher Unterstützung
Auch der Staat ist aktiv, denn das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klimaund Umweltschutz möchte mit der Auszeichnung „ERDREICH“ jene Akteure würdigen, die besonders bewusst mit Boden umgehen und damit diese Ressource in ausreichender Qualität und Quantität erhalten. Die Erkenntnis ist da, das Engagement vielerorts auch, nun gilt es, eine flächendeckende Umsetzung zu finden. Vielleicht tragen die aktuellen Hitzetage ja auch zur Beschleunigung des Themas bei.






