Nachhaltigkeit wird für die Hotellerie zunehmend vom Image- zum Beschaffungsthema. Seit 31. Juli 2026 gelten in den EU-Mitgliedstaaten die Vorgaben der neuen Reparaturrichtlinie. Seit 12. August wird zudem die neue EU-Verpackungsverordnung schrittweise angewendet.
Für Beherbergungsbetriebe entstehen daraus nicht von heute auf morgen völlig neue Arbeitsabläufe. Die Richtung ist allerdings eindeutig: Produkte sollen länger genutzt, einfacher repariert und Verpackungsabfälle deutlich reduziert werden.
Reparierbarkeit gewinnt beim Einkauf an Bedeutung
Das sogenannte Recht auf Reparatur soll dafür sorgen, dass bestimmte technisch reparierbare Produkte länger genutzt werden können. Hersteller müssen unter anderem Informationen über Reparaturmöglichkeiten bereitstellen und Ersatzteile zu angemessenen Preisen zugänglich machen. Eine europäische Reparaturplattform ist für 2027 vorgesehen.
Für Hotels ist das vor allem bei künftigen Investitionsentscheidungen interessant. Waschmaschinen, elektronische Geräte oder andere langlebige Ausstattung ausschließlich nach dem Anschaffungspreis auszuwählen, greift zunehmend zu kurz.
Reparierbarkeit, verfügbare Ersatzteile und erwartbare Nutzungsdauer können stärker darüber entscheiden, wie wirtschaftlich eine Anschaffung über mehrere Jahre tatsächlich ist.
Verpackungen werden neu geregelt
Noch unmittelbarer betrifft die Branche die neue Packaging and Packaging Waste Regulation, kurz PPWR. Sie gilt grundsätzlich seit 12. August 2026 in der gesamten EU und umfasst praktisch alle Verpackungen und Verpackungsabfälle.
Viele konkrete Vorgaben greifen schrittweise. Ab 2030 müssen beispielsweise sämtliche Verpackungen recyclingfähig sein. Außerdem sollen unnötige Verpackungen reduziert und Wiederverwendungs- beziehungsweise Nachfülllösungen gestärkt werden.
Für Hotels besonders relevant: Ab 2030 werden bestimmte Einwegverpackungen eingeschränkt. Die EU-Kommission nennt ausdrücklich kleine Shampoo-Fläschchen in Hotels sowie Einzelportionen etwa für Ketchup als Beispiele.
Damit werden Spendersysteme, Großgebinde und Mehrweglösungen künftig noch interessanter.
Nachhaltigkeit kann auch Kosten senken
Dass Kreislaufwirtschaft nicht zwangsläufig zusätzliche Kosten bedeutet, zeigen bereits österreichische Betriebe.
Das Biohotel Schwanen in Bizau im Bregenzerwald setzt beispielsweise beim Umbau bewusst auf die Weiterverwendung vorhandener Ressourcen. Nicht mehr benötigte Küchenelemente wurden nicht entsorgt, sondern an ein anderes Projekt weitergegeben. Gleichzeitig investierte der Betrieb in Wärmepumpe, energieeffizientere Gebäudetechnik und regionale Handwerksleistungen.
Die Österreich Werbung führt solche Konzepte mittlerweile ausdrücklich als Vorbilder für nachhaltigen Tourismus und Kreislaufwirtschaft.
Jetzt Beschaffung überprüfen
Für Hoteliers lohnt sich daher eine Bestandsaufnahme: Welche Geräte lassen sich tatsächlich reparieren? Wie lange sind Ersatzteile verfügbar? Wo kommen noch kleine Einwegverpackungen zum Einsatz? Welche Produkte könnten über Spender-, Nachfüll- oder Mehrwegsysteme ersetzt werden?
Entscheidend ist dabei nicht nur die Nachhaltigkeitsbilanz. Wer langlebigere Ausstattung kauft, Reparaturen ermöglicht und Verpackungsmengen reduziert, kann langfristig auch Material-, Entsorgungs- und Wiederbeschaffungskosten senken.
Kreislaufwirtschaft wird damit zunehmend zu einer klassischen betriebswirtschaftlichen Frage – und nicht nur zu einem Punkt im Nachhaltigkeitsbericht.
KI korrigiert











