Nach teils schwierigen Verhandlungen steht der neue Kollektivvertrag für die Beschäftigten in Gastronomie und Hotellerie fest. Die kollektivvertraglichen Löhne steigen ab 1. Oktober durchschnittlich um 3,02 Prozent.
Besonders berücksichtigt werden die unteren Lohngruppen. In der größten und niedrigsten Lohngruppe beträgt die Erhöhung 3,48 Prozent. Auch Lehrlinge erhalten ein überdurchschnittliches Plus: Ihre Entschädigungen steigen im Durchschnitt um 3,44 Prozent.
Höhere Kosten für personalintensive Betriebe
Für die Unternehmen kommt der Abschluss zu einem herausfordernden Zeitpunkt. Gastronomie und Hotellerie kämpfen weiterhin mit hohen Energie-, Lebensmittel- und Finanzierungskosten. Gleichzeitig bleibt Personal einer der größten Kostenfaktoren.
Die Lohnerhöhung wirkt sich nicht nur auf die kollektivvertraglichen Grundgehälter aus. Auch lohnabhängige Nebenkosten steigen. Besonders stark betroffen sind Betriebe mit vielen Beschäftigten, kurzen Öffnungszeiten oder einem hohen Anteil an Teilzeit- und Saisonarbeitskräften.
Restaurants, Hotels und Tourismusbetriebe müssen die zusätzlichen Kosten daher in ihre Kalkulation für die kommenden Monate einarbeiten. Je nach Geschäftsmodell kann das zu höheren Preisen, einer Anpassung des Personaleinsatzes oder einer weiteren Automatisierung von Abläufen führen.
Signal gegen den Personalmangel
Die stärkere Anhebung in den unteren Lohngruppen und die Verbesserungen für Lehrlinge sollen die Branche attraktiver machen. Gastronomie und Hotellerie stehen seit Jahren unter Druck, ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden und dauerhaft zu halten.
Höhere kollektivvertragliche Löhne können dabei ein wichtiges Signal sein. Sie allein werden den Personalmangel jedoch nicht lösen. Für Beschäftigte zählen neben dem Einkommen auch verlässliche Dienstpläne, planbare Freizeit, bessere Arbeitsbedingungen und Entwicklungsmöglichkeiten.
Gerade bei Lehrlingen wird entscheidend sein, ob die Branche die höheren Einstiegsentgelte mit einer besseren Ausbildungsqualität und langfristigen Perspektiven verbinden kann.
Betriebe müssen neu kalkulieren
Der neue Kollektivvertrag erhöht den finanziellen Druck auf viele Unternehmen. Gleichzeitig bietet er Anlass, bestehende Geschäftsmodelle zu überprüfen. Betriebe werden stärker darauf achten müssen, welche Leistungen tatsächlich profitabel sind, wie Arbeitszeit effizienter eingesetzt werden kann und wo Preisanpassungen notwendig sind.
Für Gäste könnten sich die höheren Personalkosten damit indirekt in steigenden Preisen bemerkbar machen. In vielen Betrieben dürften sie Teil eines größeren Maßnahmenpakets sein, zu dem auch Änderungen bei Speisekarten, Öffnungszeiten oder Serviceangeboten gehören.
Der Abschluss zeigt damit das Spannungsfeld, in dem sich die Branche befindet: Die Beschäftigten sollen besser bezahlt werden, während die Betriebe ihre Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Stabilität sichern müssen.
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