Kommentar von Petra Pchler
Unter diesem Motto ging der diesjährige ÖHV Kongress über die Bühne. Dass Bürokratie und Regulierung in Österreich einen hohen Stellenwert haben, ist nicht neu. Doch was da dann im Zuge des Kongresses an Beispielen aus der Praxis kam, war dann doch neu – und verwundert. Und gehören garantiert nicht in die Kategorie „Best Practice“.
Nicht nur die Hotellerie ist von bürokratischen Maßnahmen gegeißelt, aber sie doch besonders. Meldeblätter, die im Kreis geschickt werden, oder x-fache Überprüfung einzelner Module. Ein Schelm, der denkt, dass dies möglicherweise nur geschieht, um doppelte Einnahmen zu lukrieren. Und über die exorbitante Ortstaxenerhöhung in Wien, muss wohl nicht extra geschrieben werden.
Sepp Schellhorn ist angetreten, diesem Monster die Zähne zu ziehen und hat dafür bereits 113 Maßnahmen erarbeitet, die es umzusetzen gilt. Und zwar rasch. Man kann ihm nur Glück wünschen, denn mit seiner derzeitigen Mitarbeiterzahl muss ordentlich in die Hände gespuckt werden.
Damit aber auch wirklich dereguliert wird, was notwendig ist, und vor allem der Praxisbezug gewährleistet wird, ist eine der Forderungen der ÖHV, dass ein verpflichtender Praxischeck für Gesetzesentwürfe kommen soll, damit nur mehr praxistaugliche Vorschriften in Begutachtung gehen. Dafür sind ÖHV-Mitglieder aufgerufen, Bürokratiebespiele an den Staatssekretär zu schicken. Wir sind sicher, da finden sich ausreichend „Bad Practice“ Beispiele.
Geurlaubt wird das ganze Jahr!
Ein weiteres Anliegen des ÖHV-Präsidenten Walter Veit ist das Forcieren der Ganzjahresbeschäftigung. Was nicht nur den Mitarbeitern und den Betrieben hilft, sondern ganz eindeutig auch dem Trend im Tourismus entspricht. Haupt- und Nebensaisonen wird’s wohl immer geben, aber keine Saison soll es auch nicht mehr geben. Der Ruf nach einer Ganzjahresbeschäftigung ist wesentlich, denn schließlich geht es um nicht weniger als 240.000 Beschäftigte in den Branchen Gastronomie und Hotellerie.
Die Finanzen…
Erfrischend und interessant zugleich, war der Vortrag unseres obersten Finanzhüter im Staat, Wolfgang Peschorn, seines Zeichens Präsident der Finanzprokuratur. Als ausgewiesener Experte ortete er klar und mit sachlichen Argumenten eine Vereinfachung der Bürokratie unter dem Titel „Politik & Gesetze – einfach(er) machen“. Wenn er schon meint, dass dies geht, dann sollten die Politiker vielleicht einmal genauer hinhören.
Neben dem heißen Eisen Bürokratie stand klarerweise auch das Thema KI im Fokus. Sie ist nicht aufzuhalten, hat viele Bereiche bereits erfasst und nun gilt es, sie effizient, fachlich fundiert und mit gesundem Hausverstand einzusetzen. Denn ist dies der Fall, dann bleibt den Gastgebern mehr Zeit für ihre Gäste, und das ist schließlich ihre Kernaufgabe. Martina Mara, Professorin für Psychologie der KI und Robotik an der JKU Linz, hielt dazu einen fesselnden Vortrag. Sie erforscht, wie Menschen Technik erleben und Vertrauen zu KI aufbauen und erklärte in ihrem Vortrag, wie Transparenz und psychologische Mechanismen unser Erleben von KI prägen. Und wie eben diese Technologie gestaltet sein muss, um unterstützend tätig zu sein, statt überfordernd.
Auch Harry Gatterer, Geschäftsführer des Zukunftsinstituts und einer der bekanntesten Zukunftsforscher im deutschsprachigen Raum, steht für ein methodisches und zugleich emotionales Denken im Unternehmen. Stetigen Wandel nicht nur zu verstehen, sondern aktiv zu gestalten, sieht er als essenziell.
Der Kongress der österreichischen Hotelvereinigung legte mit seinem Fokus auf Prozessoptimierung, KI-Integration und Komplexitätsreduktion auch heuer wieder seinen Finger in teils offene Wunden. Doch wer nicht aufzeigt, wo der Hund begraben liegt, kann keine Änderungen erwarten. Deshalb ein großes Lob an das Team der ÖHV und zwar sowohl, was die Themenauswahl betrifft, als auch die Auswahl der Referenten. Und für die Organisation sowieso. Aber das sind wir ja schon gewohnt und schätzen dies seit Jahren. Jetzt ist „nur“ mehr die Politik am Zuge, einige der Forderungen und auch Ansätze umzusetzen. Und zwar zeitnahe. Am Tisch liegen sie bereits.







