Österreichs Hotellerie ist beim Direktvertrieb vergleichsweise stark aufgestellt. Rund sechs von zehn Buchungen erfolgen direkt bei den Betrieben – etwa über die hoteleigene Website oder im persönlichen Kontakt mit dem Gast.
Trotzdem hat der Anteil der Buchungen über Online-Plattformen seit 2013 um mehr als zehn Prozentpunkte zugenommen. Mehr als jede vierte Buchung läuft inzwischen über eine OTA.
Für Georg Imlauer, Obmann des Fachverbandes Hotellerie in der Wirtschaftskammer Österreich, ist vor allem die starke Marktkonzentration problematisch. „Mehr als vier von fünf Buchungen über Online-Buchungsplattformen entfallen auf nur zwei Konzerne – echte Wahlfreiheit sieht anders aus.“
Booking und Expedia dominieren den Markt
Die Zahlen der Studie zeigen deutlich, wie konzentriert der Plattformmarkt ist. Europaweit vereinen Booking Holdings und Expedia Group 85,4 Prozent aller OTA-Buchungen auf sich. In Österreich liegt der Anteil sogar bei 88,5 Prozent.
Für kleine und mittlere Hotels kann diese Konzentration die Verhandlungsposition schwächen. Gleichzeitig wird der Direktvertrieb immer wichtiger, weil Hotels dort Preisgestaltung, Gästekontakt und Zahlungsabwicklung stärker selbst kontrollieren können.
Preisunterbietung belastet den Direktvertrieb
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Preisgestaltung. 51 Prozent der befragten Hotels berichten, dass OTAs ihre direkt angebotenen Preise zumindest gelegentlich unterbieten.
Vier von fünf der betroffenen Häuser geben an, einer solchen Preisunterbietung nicht zugestimmt zu haben. Zusätzlich berichten 44 Prozent von sogenanntem „Multi-Sourcing“, bei dem Plattformen Zimmerkontingente über unterschiedliche Bezugsquellen beziehen.
Aus Sicht der Branche kann das den eigenen Vertrieb schwächen. Wenn ein Hotel auf seiner Website nicht mehr zuverlässig das attraktivste Angebot anbieten kann, verliert der Direktkanal an Schlagkraft.
Höhere Stornoraten bei OTA-Buchungen
Auch bei den Stornierungen zeigen sich deutliche Unterschiede. Direkt über die Hotelwebsite gebuchte Aufenthalte weisen laut Studie im Durchschnitt eine Stornierungsrate von 9,1 Prozent auf.
Bei Expedia liegt der Wert bei 11,7 Prozent, bei Booking.com bei 19 Prozent. Damit ist die Stornierungsrate bei Booking.com mehr als doppelt so hoch wie bei Direktbuchungen über die Hotelwebsite.
Für die Betriebe bedeutet das mehr Planungsunsicherheit und zusätzlichen administrativen Aufwand. Gleichzeitig können hohe Stornoquoten die Auslastungssteuerung erschweren.
Wahlfreiheit im Vertrieb gefordert
Die Branche fordert deshalb transparentere Plattformpraktiken und mehr unternehmerische Freiheit. Hotels sollen selbst entscheiden können, wie sie Preise gestalten, welche Zahlungsmodelle sie nutzen und wie sie die Beziehung zu ihren Gästen organisieren.
Imlauer fordert faire Spielregeln, die nicht nur auf dem Papier bestehen, sondern auch wirksam durchgesetzt werden.
Studie mit Daten aus 28 Ländern
Die „European Hotel Distribution Study“ wird seit 2014 alle zwei Jahre von der HES-SO Valais-Wallis gemeinsam mit nationalen Hotelverbänden durchgeführt. In Österreich ist der Fachverband Hotellerie der WKÖ beteiligt.
Die aktuelle Ausgabe basiert auf Daten von insgesamt 2.713 Hotels aus 28 europäischen Ländern. Darunter sind 1.882 Einzelhotels sowie aggregierte Daten von 831 Kettenhotels. Referenzjahr ist 2025.











