Sonntag - 08.02.2026
Werbung
Werbung

Wiener Schnitzel: Herkunft des Kalbfleisches sorgt für Diskussionen in der Gastronomie

Eine aktuelle Recherche des Netzwerks „The Marker“ deckt auf, dass das Kalbfleisch für das Wiener Schnitzel in der österreichischen Gastronomie häufig aus den Niederlanden stammt, wo die Tiere oft unter problematischen Bedingungen gehalten werden. Diese Enthüllung wirft ein Schlaglicht auf die Komplexität der Lieferketten und entfacht die Debatte um eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in Restaurants neu.

Diskrepanz zwischen Annahme und Realität

Das Wiener Schnitzel gilt als Inbegriff der österreichischen Küche, und viele Gäste gehen davon aus, dass das dafür verwendete Kalbfleisch aus heimischer Produktion stammt. Eine Umfrage des Recherchenetzwerks in rund 15 Restaurants in den größten Städten Österreichs ergab, dass auch die Betriebe selbst oft von österreichischer Herkunft ausgehen oder diese angeben.

Werbung

Die Recherche zeigte jedoch ein anderes Bild: Ein großer Teil des in der Gastronomie verwendeten Kalbfleisches wird von heimischen Betrieben wie Astrokalb aus den Niederlanden importiert. Dort ist die Kalbfleischproduktion ein bedeutender Wirtschaftszweig. Tierschützer dokumentieren in den Niederlanden seit Jahren problematische Haltungsbedingungen, bei denen Kälber monatelang in engen Betonboxen ohne Auslauf und Stroh gehalten und primär mit Flüssignahrung gefüttert werden.

Hohe Nachfrage trifft auf begrenztes heimisches Angebot

Der Grund für die Importe liegt in der hohen Nachfrage, die das heimische Angebot bei Weitem übersteigt. Laut Angaben von Astrokalb werden in Österreich pro Jahr rund 120.000 Kälber für die Gastronomie benötigt, während im Inland nur etwa 50.000 Schlachtungen stattfinden. Diese Lücke wird durch Importe geschlossen.

Debatte um verpflichtende Herkunftskennzeichnung

Als Lösung für mehr Transparenz wird eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie gefordert. Diese würde es den Gästen ermöglichen, eine informierte Entscheidung über die Herkunft des Fleisches zu treffen. Während eine solche Kennzeichnungspflicht seit September 2023 bereits für Großküchen wie Kantinen, Schulen und Krankenhäuser gilt, sind Restaurants und Gasthäuser davon bisher ausgenommen.

Vertreter der Gastronomie äußern Bedenken hinsichtlich des zusätzlichen bürokratischen Aufwands, den eine solche Regelung mit sich bringen würde. Freiwillige Initiativen wie „Gut zu wissen“ der Landwirtschaftskammer existieren bereits, doch eine gesetzliche Ausweitung auf die gesamte Branche wurde im Parlament zuletzt vertagt.

Für die heimische Gastronomie stellt diese Debatte eine zentrale Herausforderung dar, die Fragen der Lieferkettensicherheit, der Preiskalkulation und der transparenten Gästekommunikation in den Mittelpunkt rückt. Die Recherche zeigt, dass bei rund 80 Prozent der Wiener Schnitzel Kalbfleisch aus den Niederlanden auf den Teller kommt – eine Tatsache, die die Branche in Zukunft verstärkt beschäftigen wird.

Werbung

Aktuell

Faq
tipp

GASTRO Links

Werbung
Jobs
Diese und viele weitere Jobs gibt es auf gastro-karriere.at
Im Trend

GASTRO-NEWSLETTER

Um über die neuesten Nachrichten, Angebote und Sonderankündigungen auf dem Laufenden zu bleiben.








Cover Storys