Volle Betten, leere Kassen?

Nein, ganz so schlimm steht es um den österreichischen Tourismus nicht, aber die Branche steht eindeutig vor ziemlichen Herausforderungen.

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Denn ganz so rosig, wie regelmäßige Jubelrufe hinsichtlich Nächtigungszahlen und Besucherrekorde vermuten lassen würden, ist die Situation nicht. Der Gewinn, besonders im Gastronomie- und Hotelleriebereich, sinkt stetig, was auf die allgemeinen Teuerungsraten zurückzuführen ist und in diesem Bereich auch auf die Lohnerhöhungen der letzten Jahre. Zudem urlauben die Österreicher und auch die internationalen Gäste zwar nach wie vor, aber sie sparen. Nicht nur an der Aufenthaltsdauer, sondern vor allem beim Aufenthalt selbst. Wurden früher 2-3 Getränke zum Essen konsumiert, so bleibt es nun oft bei einem.

In der Hotellerie ist zwar die Auslastung gerade in der gehobenen Kategorie nach wie vor sehr gut, aber hier wird bei den Nebenausgaben, wie Massage oder sonstiger Zusatzleistungen ordentlich gespart. Hoteliers wiederum versuchen, mit diversen Schmankerln, wie inkludierter Jause, bei welcher nur die Getränke zu bezahlen sind, ihre Gäste im Haus zu halten.

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Image stärken

Und dann noch der Mitarbeitermangel, der mit noch so vielen Zugeständnissen der Arbeitgeber nicht in den Griff zu bekommen ist. Woran liegt das? An den Arbeitszeiten kann es nur geringfügig liegen, denn die sind in vielen anderen Branchen auch nicht besser! An der Entlohnung auch nur zum Teil, denn die ist, wie schon erwähnt, gestiegen.

Also, wo ist der Hund begraben? Branchenvertreter und -kenner erwähnen dabei immer wieder das Image! Von Ausbeutung ist da die Rede und von schlechtem Verdienst! Ja, mag sein, dass das viele Jahre so galt, aber mittlerweile hat sich hier vieles geändert. Vielleicht ist einer der Gründe die mangelnde Kommunikation darüber! Unsere Tourismus- und Gastgewerbeschulen sind weltweit gesehen eins A, die fachliche Qualifikation passt also. Auch die Anmeldezahlen bestätigen das Interesse, warum steigt aber dann doch ein hoher Prozentsatz der Absolventen erst gar nicht in den Beruf ein? Blick zurück: Image und auch schlechte Erfahrungen beim Praktikum? Dabei stehen Mitarbeitern gerade in diesen Branchen die Tore zur Welt buchstäblich offen. Denn ein Absolvent einer österreichischen Schule, oder auch einer Lehrlingsausbildung, die man so in vielen anderen Ländern gar nicht kennt, werden fast überall mit Handkuss genommen.

Meinung

Walter Veit, ÖHV-PräsidentIst unsere immense Steuer- und Bürokratielast mit all ihren Facetten Pech oder politisches Versagen? Oder nimmt Österreich heimlich an einem „Long Contest“ teil – einem Wettbewerb darum, wie lange Unternehmen Belastungen aushalten? Die jüngste Idee des Finanzministers, die Alkoholsteuer zu erhöhen und für vergleichsweise mickrige 90 Mio. Euro erneut den Tourismus ins Visier zu nehmen, legt das nahe. Wo bleibt die Entlastung? Kommissionspräsidentin von der Leyen versprach 25% weniger Bürokratie (35% für KMU!). Allein die Entgelttransparenz-Richtlinie erzeugt so viel Mehraufwand, dass sich das nie ausgeht. Hoffnung spenden ausgerechnet die ältesten Unternehmen der Welt. Rekordhalter ist das Nishiyama Onsen Keiunkan, ein japanisches Hotel seit 705 n. Chr. Drei von Österreichs vier ältesten Firmen sind touristisch: das St. Peter Stiftskulinarium, seit 803 n. Chr. ein Restaurant, das Hotel Taferne in Schladming seit 1123 und die Brauerei Hofstetten seit 1229. Sie haben unzählige Krisen gemeistert. Das gibt Mut und zeigt: Jede Regierung, auch jede EU-Kommission, kann noch so mächtig sein und uns zu gängeln versuchen. Wir haben den längeren Atem – wir gewinnen den „Long Contest“!

Walter Veit, ÖHV-Präsident

Meinung

Alois Rainer, Obmann
des Fachverbandes
Gastronomie in der WKÖÖsterreichs Tourismus lebt von Qualität, Vielfalt und Gastfreundschaft. Einen wesentlichen Anteil daran hat die heimische Gastronomie, die längst weit mehr ist als reine Begleitung zum touristischen Angebot. Die österreichische Gastronomie ist ein zentraler Bestandteil des touristischen Gesamterlebnisses. Gäste verbinden ihren Aufenthalt nicht nur mit Landschaft, Kultur oder Freizeitangeboten, sondern zunehmend auch mit kulinarischen Erlebnissen und regionaler Qualität. Gerade die Vielzahl touristischer Angebote in Österreich hat über die vergangenen Jahrzehnte dazu beigetragen, dass sich auch die Gastronomie auf höchstem Niveau weiterentwickeln konnte. Daraus entsteht eine gastronomische Exzellenz, die weit über die Landesgrenzen hinaus wahrgenommen wird.

Für Betriebe bedeutet das zugleich eine große Chance: Gastronomie schafft Identität, stärkt Regionen und erhöht die Aufenthaltsqualität für Gäste ebenso wie für Einheimische. Sie ist damit nicht nur wirtschaftlicher Faktor, sondern auch wichtiger Markenbotschafter des heimischen Tourismus.

Alois Rainer, Obmann des Fachverbandes Gastronomie in der WKÖ

Meinung

Norbert Totschnig
Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und
Umweltschutz, Regionen und WasserwirtschaftUnsere österreichischen bäuerlichen Familienbetriebe sind ein unverzichtbarer Bestandteil der regionalen Lebensmittelversorgung und zugleich ein bedeutender Faktor für Tourismus, Gastronomie und den ländlichen Raum. Sie produzieren hochwertige, saisonale Lebensmittel, sichern kurze Transportwege, stärken regionale Wertschöpfungsketten und tragen wesentlich zum Erhalt der Kulturlandschaft bei. Besonders die vergleichsweise kleinstrukturierten Höfe tragen wesentlich zu Vielfalt, Qualität und Biodiversität bei und prägen damit auch die kulinarische Identität in Österreichs Regionen.

Für Österreichs Gastronomie und Tourismus sind regionale Produkte heute mehr denn je ein Qualitätsmerkmal. Gäste schätzen Authentizität, Herkunft und Transparenz – genau hier leisten unsere Bauern einen wichtigen Beitrag. Initiativen wie die AMA-Genussregion oder „Gut zu Wissen“ machen die Qualität regionaler Produkte sichtbar und unterstützen die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus.

Norbert Totschnig Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft

Meinung

Susanne Kraus Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und
Freizeitwirtschaft in der WKÖÖsterreichs Tourismus- und Freizeitwirtschaft ist eine tragende Säule unserer Wirtschaft. Mit rund 157 Millionen Nächtigungen im Jahr 2025 zählt Österreich auch zu den führenden Tourismusdestinationen Europas. Durch den Tourismus sichern wir Wertschöpfung in allen Regionen des Landes, von den Städten bis in den ländlichen Raum. Die vielen österreichischen Tourismusbetriebe und die Freizeitwirtschaft, schaffen Beschäftigung für hunderttausende Menschen und tragen direkt 37,4% zum gesamten österreichischen Mehrwertsteueraufkommen bei. Gleichzeitig wirkt die gesamte Tourismusbranche als Impulsgeber für zahlreiche vor- und nachgelagerte Branchen, von der Landwirtschaft über das Gewerbe bis zum Handel. Gerade in herausfordernden Zeiten zeigt sich die Widerstandsfähigkeit und Verlässlichkeit unserer Betriebe: Sie investieren in Qualität, Digitalisierung und nachhaltige Angebote, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Damit das gelingt, braucht es aber auch verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere bei Energie- und Lohnkosten, bei der Verfügbarkeit von Fachkräften sowie beim Abbau bürokratischer Hürden.

Susanne Kraus Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKÖ

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