Denn wer wegen Wein reist, bleibt selten beim Besuch eines einzelnen Weinguts. Er übernachtet, geht essen, besucht weitere Betriebe und entdeckt eine ganze Region. Dass diese Zielgruppe für Gastgeber interessant ist, zeigen Daten der Österreich Werbung. Im Sommer 2024 machten Weinurlauberinnen und Weinurlauber 1,4 Prozent aller Österreich- Gäste aus.
Auf den ersten Blick mag das wenig erscheinen, doch das Profil ist bemerkenswert: Weinreisende gelten als eher gehobene Zielgruppe, verfügen über ein vergleichsweise hohes Einkommen und reisen häufig als Paar oder mit Freunden. Sie wählen zudem überdurchschnittlich oft hochwertige Unterkünfte: Sieben Prozent der Weinurlauber übernachteten in einem Fünf-Sterne-Hotel, gegenüber zwei Prozent aller Sommergäste. Auffällig ist auch ihre Bindung an Österreich: 77 Prozent der Weinurlauber sind Stammgäste. Für Hotels und Gastronomiebetriebe ist das ein starkes Argument, Wein nicht nur als Teil der Getränkekarte, sondern als Anlass für buchbare Aufenthalte zu verstehen.
Der Weingarten wird zur Bühne
Besonders beliebt sind Erlebnisse, bei denen Wein, Kulinarik und Landschaft miteinander verschmelzen. Ein österreichisches Paradebeispiel ist „Tafeln im Weinviertel“. Seit 2011 wurden rund 300 Veranstaltungen mit mehr als 25.000 Gästen umgesetzt. Im Jahr 2026 stehen 25 Termine auf dem Programm. Lange, weiß gedeckte Tafeln werden dabei mitten in Weingärten, Kellergassen oder an außergewöhnlichen Orten aufgebaut; serviert werden mehrgängige Menüs mit regionalen Weinen.
Das Entscheidende ist jedoch nicht nur das Essen. Das Produkt ist der Abend als Gesamterlebnis. Weinviertel Tourismus verbindet das Format bewusst mit Nächtigung, Transfer und Rahmenprogramm – aus einem Dinner kann so ein mehrtägiger Aufenthalt werden. Noch persönlicher wird Weintourismus dort, wo Gäste selbst mitmachen dürfen. Bei einer „Erlebnis Weinlese“ in Kärnten können Interessierte nach einer Einschulung selbst Trauben ernten und den Tag anschließend bei einem gemeinsamen Weingartenfest ausklingen lassen. Das Format zeigt, wie aus einer Tätigkeit, die für Winzerinnen und Winzer zum Arbeitsalltag gehört, ein touristisches Erlebnis werden kann. Die Möglichkeiten reichen dabei weit über die Lese hinaus. Denkbar sind Rebschnitt- Erlebnisse im Winter, Workshops zum Binden und Laubmanagement im Frühjahr, Picknicks im Weingarten, Sonnenaufgangsfrühstücke zwischen den Reben oder kleine Verkostungen direkt dort, wo einzelne Weine entstehen.
Für Gäste ist entscheidend, etwas zu erleben, das sie zu Hause nicht bekommen. Authentizität wird dabei wichtiger als perfekte Inszenierung. Der Vorteil des Weintourismus liegt in seiner Vernetzung. Ein Gast, der zum Weingut kommt, braucht möglicherweise ein Hotelzimmer. Wer ein Dinner im Weingarten bucht, benötigt vielleicht einen Transfer. Wer mehrere Weingüter besucht, sucht Restaurants und regionale Produzenten. Damit kann Wein eine ganze touristische Wertschöpfungskette in Bewegung setzen. Die größte Chance liegt deshalb möglicherweise nicht darin, möglichst viele Gäste für eine einzelne Verkostung zu gewinnen. Erfolgreicher ist ein Angebot, das aus dem Wein einen Reisegrund macht. Für Gastronomen und Hoteliers bedeutet das: Kooperation wird immer wichtiger.











