Am Samstag, dem 27. September, richtet sich der Blick auf eine der größten Branchen der Welt: den Tourismus. Der Welttourismustag, 1980 von der Welttourismusorganisation (UNWTO) ins Leben gerufen, soll das Bewusstsein für den sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Wert des Reisens stärken. Mit rund 1,4 Milliarden internationalen Ankünften im Jahr 2024 liegt die Branche nahezu wieder auf Vorkrisenniveau, ein Comeback, das die zentrale Rolle des Tourismus in der Weltwirtschaft belegt.
Motto 2025: Nachhaltige Transformation
„Tourism and Sustainable Transformation“ lautet das diesjährige Motto. Die UNWTO hebt hervor, dass Tourismus mehr sei als ein bloßer Wirtschaftszweig: Er könne Bildung fördern, Arbeitsplätze schaffen und soziale Chancen eröffnen. Voraussetzung sei jedoch eine klare, langfristige Planung. Nachhaltigkeit, Resilienz und soziale Gerechtigkeit müssten im Zentrum stehen, wenn Tourismus ein Motor für positiven Wandel sein solle.
Um die Frage zu beantworten, wie sich Tourismus auf regionaler und nationaler Ebene auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt auswirkt, sind valide Daten unabdingbar. „Österreich nimmt bei der Weiterentwicklung der Tourismusstatistik im Hinblick auf Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle ein. Neben der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus für Österreich und die einzelnen Bundesländer messen wir seit vorigem Jahr als erstes Land auch die Tourismusakzeptanz der Bevölkerung. Damit decken wir bereits zwei der drei Säulen der Nachhaltigkeitsmessung ab, die im statistischen Rahmenwerk der UN Tourism gefordert wird“, erklärt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria.
Als dritte Säule braucht es auch valide Zahlen zu den ökologischen Auswirkungen des Reisens. Der jährliche Tourismusbericht des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus (BMWET) veröffentlicht dazu bereits ausgewählte Indikatoren.
Mehr als 150 Jahre Tourismusstatistik
Seit ihren Anfängen wird die Tourismusstatistik inhaltlich und methodisch stetig weiterentwickelt. Ihre Ursprünge in Österreich reichen bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. Erste Aufzeichnungen zu einem Teilbereich des damaligen Fremdenverkehrs, dem Kurtourismus, stammen von 1873, als die Donaumonarchie 144.131 Kurgäste zählte. 1890 folgte die erste gesamtösterreichische Erhebung über den Fremdenverkehr. Mit Ausnahme der Weltkriegsjahre liegen seither Daten vor. Nach 1945 entwickelte sich der Tourismus rasch zu einem der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren – mit einem Einbruch während der Corona-Pandemie, aber einer raschen Erholung danach. 1948 wurden österreichweit 10,58 Mio. Nächtigungen registriert, 2024 bereits 154,32 Mio.
Frankreich bleibt weltweiter Spitzenreiter
Auch 2024 dominierte Europa die internationalen Besucherzahlen. Frankreich zog mit 89,4 Millionen internationalen Gästen die meisten Menschen an – Paris, Côte d’Azur und Alpen bleiben weltweite Publikumsmagneten. Spanien folgt mit 83,7 Millionen Reisenden, die USA belegen mit 79,3 Millionen Rang drei. China rangiert mit 65,7 Millionen Besuchern auf Platz vier. Italien, Türkei und Mexiko bilden das solide Mittelfeld, während Thailand, Deutschland und Großbritannien das Spitzenfeld abrunden. Japan konnte Thailand 2024 als führendes Reiseziel in Asien überholen und sich damit vor allem im Fernosttourismus neu positionieren.
Ein Blick auf das Reiseverhalten innerhalb der EU zeigt eine starke Binnenorientierung. Rund 73 Prozent der Reisen im Jahr 2023 führten die Europäer ins eigene Land, nur 27 Prozent ins Ausland. Besonders reiselustig im Ausland waren die Luxemburger, während Deutsche und Niederländer gemeinsam fast die Hälfte aller Übernachtungen außerhalb des eigenen Landes verbuchten. Italien und Kroatien verfügen über besonders hohe Beherbergungskapazitäten, während Spanien, Italien und Frankreich die meisten internationalen Nächtigungen verzeichnen.
Österreichs eindrucksvolles Comeback
Auch in Österreich ist die Branche zurück auf Rekordkurs. Nach dem pandemiebedingten Einbruch verzeichnete das Land 2024 mit 46,7 Millionen Ankünften und 154,3 Millionen Nächtigungen nicht nur eine deutliche Steigerung zum Vorjahr, sondern übertraf erstmals auch die Werte von 2019. Die Tourismusausgaben stiegen auf 35,9 Milliarden Euro, der Beitrag des Sektors zum Bruttoinlandsprodukt lag bei 6,2 Prozent. Damit bleibt der Tourismus eine der tragenden Säulen der heimischen Wirtschaft und ein zentraler Faktor für regionale Entwicklung.
Der Welttourismustag zeigt, dass der Tourismus ein weltumspannender Motor ist, der Wohlstand schafft, aber auch Herausforderungen birgt. Der wachsende Druck auf Umwelt und Gesellschaft macht deutlich, dass es nicht allein um Wachstum gehen kann. Vielmehr braucht es einen bewussten, strategischen Umgang mit dem Reisen. Nur dann lässt sich das transformative Potenzial heben, das die UNWTO in den Vordergrund stellt: ein Tourismus, der Bildung und Chancen bringt, ohne seine eigenen Grundlagen zu zerstören.








