Am Beispiel von Werzers Seehotel Wallerwirt in Techelsberg am Wörthersee zeigt sich, was einer erfolgreichen Sanierung vorausgeht. Ziel war es, das traditionelle Sommerfrische-Haus zu einem ganzjährigen Hideaway umzubauen. Der wesentlichste Faktor ist, laut Betreiber, die Identität des Hauses zu bewahren. Vor allem dann, wenn es – wie hier – über Generationen gewachsen ist. Das Credo lautet daher, den unverwechselbaren Charakter – die eigentliche Seele, die DNA des Wallerwirts – nicht wegzumodernisieren, sondern behutsam in die Gegenwart zu übersetzen. Aus dieser Haltung hat sich unsere Richtlinie für alle baulichen Entscheidungen sehr klar und sofort ergeben: „Authentizität bewahren!“
Gemeinsam mit dem federführenden Architekten DI Erich Laure folgt die Sanierung deshalb einer einfachen, aber sehr verbindlichen Devise: „Wir bauen nicht neu, wir führen eine Geschichte zeitgemäß fort.“ Das heißt konkret: Wir übersetzen Bestehendes mit Respekt, arbeiten mit dem, was da ist, und entwickeln dort weiter, wo es sinnvoll ist – ohne die Handschrift des Hauses zu verlieren.
Zeigen, wo man ist!
Mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 8,5 Mio Euro wurde der Wallerwirt in drei Bauphasen strategisch neu ausgerichtet. In der ersten Phase wurden die Zimmer saniert und mit neuem Interieur ausgestattet. Hier setzt man auf die aktuell angesagten Erdtöne und natürliche Materialien. So sind auch Stoffe aus natürlichen Fasern, bezogen von Partnern aus der Region bzw. dem Alpenraum. Das schafft sowohl ein gutes Raumklima, als die Stoffe auch echte haptische Wärme in die Zimmer bringen.
Energieeffizienz ist ein Muss
Ziel war es, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren, ohne dass der Gast auf Komfort verzichten muss. Intelligente Technik, langlebige Lösungen und ressourcenschonende Ausstattung sind die Basis.
Zentraler Hebel dabei ist die Optimierung der thermischen Gebäudehülle. Dort, wo es die historische Substanz zulässt, wurde die Dämmung verbessert und ökologische Baustoffe eingesetzt. Die Zimmer werden über ein Wärmepumpensystem beheizt. Darüber hinaus ist die gesamte Umstellung des Projektes auf die Beheizung mit moderner Fernwärme im Übergang zur Bauphase III bereits projektiert. Damit entsteht eine zeitgemäße Hybridheizung aus Wärmepumpe und Fernwärme, die hohe Versorgungssicherheit ebenso garantiert, wie eine deutlich verbesserte Energiebilanz. Auch im Bereich Wasserverbrauch wurde mit wassersparenden Armaturen und Duschköpfen der neuesten Generation der Ressourcenverbrauch minimiert. Das gesamte Haus wurde auf LED-Technik umgestellt, dazu wird die Beleuchtung in den öffentlichen Bereichen über ein smartes Lichtmanagement- System gesteuert.
Materialien sind Teil der Identität
Was für viele Häuser im Familienbesitz zutrifft, gilt auch für den Wallerwirt: Materialien nie nur Oberfläche, sondern Teil der Identität. Deshalb wurde mit hochwertigen, möglichst regionalen und natürlichen Materialien gearbeitet. Für die Außenbereiche und ausgewählte Akzente in den Zimmern wurden heimische Lärche und Fichte verwendet, da sie eine lange Tradition im alpinen Bauen haben. In den Nassbereichen sowie auf den Terrassen kam regionaler Naturstein zum Einsatz. Er wirkt robust und gleichzeitig ruhig und er verbindet das Haus in seiner Materialität unmittelbar mit der Landschaft. Dies gilt auch für die dritte Bauphase, bei der das Restaurant und die Modernisierung der öffentlichen Bereiche im Fokus steht. Zentraler Bestandteil sind hier unter anderem große Glasflächen, die das Erleben des Wörthersees noch stärker ins Zentrum rücken soll.
Einrichtung und Design folgen dem Gesamtkonzept
Das Design folgt einer klaren, funktionalen Linie, die durch gezielte Details und Farben auch Wärme hineinbringt. Das Zusammenspiel von hellem Holz und bewusst gesetzten Farbakzenten wie Salbeigrün, Safrangelb und Terracotta bringt Lebendigkeit in den Raum, ohne ihn zu überladen.
Genauso, wie die Einrichtung bewusst reduziert ist: Sie verzichtet auf unnötigen Ballast und schafft durch textile Oberflächen – etwa das große, gepolsterte Kopfteil – ein weiches, wohnliches Gefühl. Designanspruch trifft auf Bodenständigkeit. Auch funktional wurde vieles so gelöst, dass der Raum luftig bleibt: Offener Stauraum und kompakte Möblierung lassen die Zimmer strukturiert wirken, ohne Enge zu erzeugen. Das Ergebnis ist eine Atmosphäre, die durch Materialität, Proportion und Stimmigkeit überzeugt – passend zu einem Haus, das immer schon vom Ort und vom Wasser gelebt hat. Mit der Sanierung setzt man auf Qualität statt Masse – was dem derzeitigen Trend entspricht. Dazu ein reduzierter Stil, der manchmal sogar fast minimalistisch anmutet, aber damit die Qualität hervorhebt. Dekorativer Schnick-Schnack ohne Funktion tritt eindeutig in den Hintergrund.










