Die Wiener Festwochen feiern 2026 ihr 75. Jubiläum und erklären sich im dritten Jahr ihres Bestehens zur „Republic of Gods“. Unter dem Motto „Heiliger Frühling“ erwartet die Besucher vom 15. Mai bis 21. Juni eine mythische Feier der Gotteskritik und Gottessehnsucht. Das Festival verspricht radikale Kunst, die auf 34 Orten in ganz Wien erlebbar wird.
Ein Fest der Begegnung und des Diskurses
Die Wiener Festwochen sind untrennbar mit der Stadt verbunden und verfolgen seit jeher den politischen Anspruch, lokal wie international Impulse zu geben, Wien mit der internationalen Kunstszene zu verbinden und Kultur zu demokratisieren. Dezentralität, Teilhabe und künstlerische Exzellenz prägen das Festival bis heute. Mit internationalen Uraufführungen, Koproduktionen und Einladungen haben sich die Wiener Festwochen zu einem weit über Österreich hinaus strahlenden Leuchtturm entwickelt.
Im Zentrum der „Republic of Gods“ steht 2026 der Mythos der Festwochen selbst. Fünfeinhalb Wochen lang folgen die Besucher den verschlungenen Wegen des größten Crossover-Festivals Europas – von der Gründung 1951 über die Erneuerungsbewegungen der 60er und 80er bis in die Freie Republik Wien.
Musikalische und künstlerische Vielfalt
Das diesjährige Programm dreht sich um neue und alte Glaubenssysteme, kirchliche, kunstgeschichtliche und populärkulturelle Götter und Göttinnen. Von der amerikanischen Performance-Ikone Narcissister bis zu Thorsten Lensings Schauspieler-Fest „Tanzende Idioten“, von der rebellischen Sci-Fi-Religion von Rébecca Chaillon bis zu den leisen, spirituellen Arbeiten von Cris Moreira und Kurō Tanino – Künstler aus allen Kontinenten strömen in die „Republic of Gods“.
Wien-Liebling Susanne Kennedy unterzieht Wagners Parsifal einer spirituellen Neuinterpretation, der Mythomane Christoph Schlingensief bekommt eine Einzelausstellung im MAK, das Wiener enfant terrible Florentina Holzinger inszeniert ein Pfingstspiel und Romeo Castellucci hinterfragt unser Gott-Spielen über den Tod. Die „Godmother of Punk“ Patti Smith lädt zu drei Events ein, und Festwochen Mythos Robert Wilson kommt posthum mit einer seiner letzten Inszenierungen „The Tempest“ in die „Republic of Gods“.
Glaubenstribunal und gesellschaftliche Relevanz
In einem Glaubenstribunal werden die dunklen Seiten des Glaubens beleuchtet: Wo verbünden sich Kirche und Staatsmacht und werden zur Gefahr für Kunst- und Meinungsfreiheit? Was geschieht, wenn ein selbst ernannter Gottesstaat sich gegen die eigenen Bürger wendet? Und wo setzt sich die säkulare Gesellschaft über die Gefühle der Gläubigen hinweg?
Gob Squad kreiert ihre neue Show „Doppelgänger/Doppelganger“, Marta Górnicka bereitet den Seherinnen von Heute mit „KASSANDRA“ eine chorische Bühne, Angélica Liddell inszeniert mit „SEPPUKU. Die Beerdigung von Mishima oder die Lust am Sterben“ ein radikales Performance-Ritual. Die Venedig- und Berlinale-Siegerin Alice Diop präsentiert mit „Le Voyage de la Vénus Noire“ eine postkoloniale Neuerzählung des Venus-Mythos. Trajal Harrell erschafft aus den Songs seines Lebens eine völlig neue „Geschichte des Theaters“ (Music Music) und die beiden libanesischen Künstler Lina Majdalanie und Rabih Mroué steuern mit der Performance „Das tragische Schicksal der Sonate Nr. 2“ das diesjährige Volksstück bei, das durch (fast) alle Bezirke tourt.
Das gesamte Programm der Wiener Festwochen | Freie Republik Wien ist online abrufbar unter https://www.festwochen.at.








