Die Wirtschaftskammer Kärnten (WKÖ) strebt eine Neueinstufung des Wörthersees im Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan an. Statt als „natürlicher Wasserkörper“ soll er künftig als „erheblich veränderter Wasserkörper“ geführt werden. Ziel ist es, touristische Weiterentwicklung und See-Einbauten zu ermöglichen. Der Umweltdachverband und die Grünen üben scharfe Kritik an diesem Vorstoß.
Hintergrund: EU-Wasserrahmenrichtlinie und ökologischer Zustand
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie legt bei natürlichen Wasserkörpern einen weitgehend natürlichen Zustand als Ziel fest. Bei „erheblich veränderten Wasserkörpern“ sind die Bewertungskriterien und ökologischen Ziele niedriger gesteckt. Der Antrag des ÖVP-Wirtschaftsbundes argumentiert die „erhebliche Veränderung“ des Wörthersees unter anderem mit der Ringkanalisation, Uferverbauungen, Schifffahrt und touristischer Nutzung.
Bisher wurde der Wörthersee als „natürlicher Wasserkörper“ geführt, was strenge ökologische Bewertungskriterien zur Folge hatte. Nach Messungen, die den ökologischen Zustand von „gut“ auf „mäßig“ herabstuften (Hauptproblem: zu wenige Wasserpflanzen), wurde im Vorjahr ein Maßnahmenplan präsentiert. Dieser sah unter anderem den Rückbau harter Seeuferverbauungen, einen Besatzstopp für Karpfen und eine Neuregelung des Motorbootverkehrs vor.
Wirtschaftskammer: „Kein Natursee“ und Kritik an „Anti-Motorboot-Diskussion“
Der Antrag der Wirtschaftskammer fordert Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) auf, die Einstufung des Wörthersees zu „aktualisieren“. Stefan Sternad, Sprecher der Gastronomiefachgruppe der WKÖ Kärnten, betont, dass es nicht um die Qualität des Sees gehe, sondern um „gewisse Parameter“. Er argumentiert, dass der Wörthersee aufgrund seiner Verbauung nicht wie ein Bergsee beurteilt werden könne.
Sternad kritisiert eine „Anti-Motorboot- und Anti-Establishment-Diskussion“ und warnt vor ökonomischen Schäden durch den Rückbau von Stegen. Er weist darauf hin, dass kleinere Stege oder weniger Motorboote keine ökologische Verbesserung garantieren, auch weil der Klimawandel dem See zusetze.
Umweltdachverband und Grüne: „Inakzeptabler Weg“
Franz Maier, Präsident des Umweltdachverbands, kritisiert den Vorstoß als Widerspruch zur touristischen Vermarktung des Wörthersees als „intakte Natur“. Er verweist auf die EU-rechtliche Verpflichtung zur Renaturierung und Entfernung von Einbauten. Die Kategorie „erheblich veränderter Wasserkörper“ sei für stark beeinträchtigte Gewässer gedacht, was auf den Wörthersee nicht zutreffe. Maier bezeichnet den Vorstoß als „inakzeptablen Weg“, um sich der Maßnahmen zu entledigen.
Auch die Grünen üben scharfe Kritik. Olga Voglauer, Nationalratsabgeordnete und Landessprecherin der Grünen Kärnten, betont, dass die Seenberichte der vergangenen Jahre eine Verschlechterung des ökologischen Zustands durch steigenden Nutzungsdruck belegen. Sie kritisiert, dass der Schluss, weniger Naturschutz sei nötig, entweder auf Unkenntnis der Fakten oder auf die bewusste Priorisierung wirtschaftlicher Einzelinteressen über das Gemeinwohl hindeute.






